Im Lauf des Jahrhunderts aber waren den Obrigkeiten vor allem die neugegründeten „Landsmannschaften“ sowie die sich sprunghaft verbreitenden Freimaurerlogen und studentischen Geheimgesellschaften, die „Orden“, ein Dorn im Auge. In Halle, wo es besonders viele Bünde gab, wurden diese als „Staat im Staate“ wahrgenommen, als Hort der „Unordnung“ und „gesetzwidriger Handlungen“. Theater-aufführungen, Feste und Trinkgelage wurden kritisiert. Alles wurde nun darangesetzt, die Arkangesellschaften zu beseitigen. Ausgefeilte Strafkataloge wurden erlassen, verbunden mit der expliziten Einladung zur Denunziation. Diesem Thema hat sich Holger Zaunstöck in seiner Studie „Das Milieu des Verdachts“ (Berlin 2010) gewidmet.
Die Anonymität des Denunzianten sollte gewahrt bleiben, was aber nicht immer gelang. Dies war für den Betroffenen nicht ungefährlich, galt er doch unter den Studenten als „unehrenhafter Anschwärzer“. Er musste mit Androhungen von Gewalt bis hin zu Morddrohungen rechnen.
Für ihre Hinweise nutzten die Denunzianten entweder anonyme „Zettel“, sie betätigten sich aber auch als Spitzel oder trugen Gerüchte weiter. Obwohl es letztlich nicht sehr häufig zu Denunziationen kam, so Zaunstöcks Kernthese, bildete sich ein „Milieu des Verdachts“ heraus, in dem die Angst vor Entdeckung und Verfolgungseifer Hand in Hand gingen.
Warum aber fanden sich überhaupt Denunzianten, die die Entstehung neuer Bünde anonym anzeigten und verrieten, wer daran beteiligt war? Anders als in Handels- und Residenzstädten waren in Universitätsstädten die Studenten die treibende Kraft bei der Neugründung von Freimaurerlogen. Da das Selbstverständnis der Freimaurer aber eine Öffnung gegenüber anderen gesellschaftlichen Gruppen unabdingbar machte, wurden die Logen bald von Professoren und Stadthonoratioren geprägt.
Dies widerstrebte den antibürgerlich gesinnten Studenten, die daraufhin andere Gesellschaften gründeten. Dort pflegte man die Praktiken akademischer Freiheit in Abgrenzung zu den Logen weiter. Logen und Orden aber konkurrierten stark miteinander – es galten gegenseitige Ausschlussregeln – und spalteten die Studentenschaft tief. In diesem Konflikt griff so mancher zur Denunziation, um die Bildung solcher „unvernünftiger Gesellschaft“, wie es ein Denunziant in Göttingen ausdrückte, zu verhindern. Anders aber als im Nazi-Deutschland, wo sie trauriger Alltag wurden, konnten Denunziationen im 18. Jahrhundert die „Freiheitsmentalität“ der Studenten nicht nachhaltig schwächen.





