Rohstoffgewinnung mit archäologischem Mehrwert: Der großflächige Kiesabbau im Äbnetwald bei Cham-Oberwil im Kanton Zug hat schon zuvor zu interessanten Funden aus der tieferen Geschichte dieser alpenländischen Region geführt. Es kamen Siedlungsspuren und Gräber aus der Bronzezeit und zahlreiche Münzen aus der keltischen Epoche zum Vorschein. Der Kiesabbau wird deshalb konsequent vom Amt für Denkmalpflege und Archäologie begleitet: Mit rund einem Jahr Vorsprung vor den Baggern untersuchen die Experten die Schichten des geplanten Abbaubereichs. Wie der Kanton Zug nun berichtet, hat dies nun erneut zu einem spektakulären Fund geführt.
Ein eindrucksvoller Gebäudekomplex zeichnet sich ab
Die Experten stießen in dem Areal auf immer mehr Abschnitte von Mauerfundamenten, die komplexe Strukturen zu ergeben schienen. So entwickelte sich ein archäologisches Projekt, für das schließlich ein Zelt errichtet wurde, um die Funde und das Ausgrabungsteam vor dem Wetter zu schützen. Die weiteren Entdeckungen bestätigten dann, dass auf der Anhöhe einst ein eindrucksvoller Gebäudekomplex mit verschiedenen Räumen gestanden hat. Die bisher entdeckten Fundamentstrukturen erstrecken sich dabei bereits über eine Fläche von mindestens 500 Quadratmetern. Den gesamten Umfang der Anlage müssen die weiteren Ausgrabungen nun aber erst klären. Große Mengen an gefundenen Eisennägeln sprechen zudem dafür, dass zu den steinernen Gebäudeteilen auch umfangreiche Holzkonstruktionen gehört haben.
Wie Funde im einstigen Gebäudebereich verdeutlichen, stammt der Komplex aus der Römerzeit: Neben Kupfer- und Bronzemünzen wurde ein silberner Denar mit Bezug zu Julius Caesar aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. gefunden.

Die Archäologen stießen zwischen den Mauern außerdem auf Fragmente von Tafelgeschirr – sogenannte Terra Sigillata – und auf Stücke von kunstvoll hergestellten Glasgefäßen. Ein weiterer außergewöhnlicher Fund ist ein Goldfragment, das ursprünglich wohl zu einem Schmuckstück gehörte. Bruchstücke von Amphoren, die einst Wein, Olivenöl und Fischsauce aus dem Mittelmeerraum enthielten, zeugen davon, dass die Anlage offenbar an den weitreichenden Handel im Römischen Reich geknüpft war.
Eine Villa oder ein Tempel?
„Die Entdeckung einer so groß angelegter Gebäudestruktur aus der Römerzeit ist in der alpenländischen Region etwas ganz Besonders“, ordnet die Archäologin Christa Ebnöther von der Universität Bern die Bedeutung des Fundes im Äbnetwald ein. Das gilt speziell für den zentral in der Schweiz gelegenen Kanton Zug, betont dabei Gishan Schaeren vom Amt für Denkmalpflege und Archäologie: „Römische Bauten ähnlicher Dimension wurden dort zuletzt vor fast 100 Jahren in Cham-Heiligkreuz ausgegraben“.





