Das “Black Book of Carmarthen” gilt als nationaler Schatz des walisischen Volkes. Es ist das älteste erhaltene Manuskript in walisischer Sprache und enthält eine der frühesten Erwähnungen von König Artus und dem Zauberer Merlin. Die Sammlung von Gedichten und Illustrationen wird einem Verfasser zugeschrieben, der sie vermutlich über Jahre hinweg zusammengetragen hatte. Im Laufe seiner weiteren Geschichte wechselte das in schwarz gehüllte Buch dann häufig den Besitzer. Heute ist es das Prunkstück der National Library of Wales in Aberystwyth.
Es wurde vermutet, dass sich auf den Seiten möglicherweise noch Spuren ehemaliger Schriften verbergen. Aus diesem Grund unterzogen Paul Russell und Myriah Williams von der University of Cambridge das Buch erneut einer genauen Untersuchung. Mit ultraviolettem Licht und Fotosoftware machten sie dann die spektakuläre Entdeckung. „Man könnte meinen, wir wüssten bereits alles über Handschriften wie das Black Book of Carmarthen – doch das stimmt nicht. Es war unglaublich spannend diese Geister der Vergangenheit wieder zum Leben zu erwecken”, berichtet Williams.
Vor 500 Jahren ausradiert
Neben den beiden Gesichtern entdeckten die Forscher auf einer anderen Seite noch die Zeichnung eines Fisches. Was diese Werke bedeuten sollten oder wen die beiden Gesichter darstellen, können sie allerdings bisher nicht sagen. Im Fall des Gedichts, das ebenfalls im Schein der UV-Lampe erschien, konnten die Forscher hingegen belegen, dass es sich um eine bisher einmalige Erwähnung handelt.
Russell zufolge entwickelte sich das Hinzufügen zu einer Art Tradition unter den Besitzern des Buches: „Es war wie eine Art lebendiger Text”, so der Wissenschaftler. Doch offenbar gefiel dies einem bestimmten Besitzer vor rund 500 Jahren gar nicht. Den Recherchen zufolge war es ein Mann namens Jaspar Gryffyth. Er entfernte wohl mit einem Bimsstein alles, was dem Original an den Rändern hinzugefügt worden war. “Dieser Mann hat im 16. Jahrhundert das Buch gründlich aufgeräumt”, sagt Russell.
Die Forscher wollen sich der Untersuchung des Manuskripts nun auch weiterhin widmen. Ihnen zufolge waren ihre bisherigen Entdeckungen möglicherweise nur die die Spitze des Eisbergs: Durch den Einsatz weiterer Techniken könnten vielleicht noch viele Geheimnisse zum Vorschein kommen. Williams zufolge ist das Spannende an diesen Entdeckungen: „Sie gewähren Einblick darin, was die Leser damals über diesen Text dachten”, so die Forscherin.





