Bernhard Kroener, Professor für Militärgeschichte an der Universität Potsdam, zeichnet in seiner Fromm-Biographie ein differenziertes und ausge?wogenes Bild des bislang so selektiv wahrgenommenen Generals. Ausgehend von seiner Sozialisation im Kaiserreich und dem Werdegang in der Zwischenkriegszeit, zeichnet Kroener seinen Aufstieg zur zentralen Figur der Aufrüstung nach. Als Befehlshaber des Ersatzheeres und der Heeresrüstung hatte er seit Anfang 1940 eine Schlüsselstellung für die gesamte Logistik der deutschen Kriegführung inne und forderte aufgrund seiner Einsicht in die mangelnden Ressourcen des Reiches bereits im Herbst 1941 von Hitler die Beendigung des Krieges.
Die Geschichte der Heeresrüstung dient dem Verfasser als Folie, vor der das Leben und Wirken Fromms während des Nationalsozialismus facettenreich geschildert wird. Sein Verhalten am 20. Juli 1944 erklärt Kroener unter anderem mit seiner Empörung über die entehrenden Umstände seiner Verhaftung durch die Verschwörer am Nachmittag des 20. Juli und seinem Bemühen, mit der Erschießung der vier Haupttäter das Ausmaß der Verschwörung zu verschleiern und neben seiner Person vor allem die Vielzahl der Mitwisser zu schützen.
Zweifellos ist Kroener mit seinem Werk ein großer Wurf gelungen: Mit seinen aus unterschiedlichsten Quellen sorgsam herausgefilterten neuen Erkenntnissen und einer ausgewogenen Interpretation setzt er Maßstäbe.
Rezension: Neitzel, Sönke





