Bei den Kämpfen in Belgien während der Anfangsmonate des Ersten Weltkrieges wurde Diksmuide (in Westflandern an der Yser liegend) im November 1914 von den Deutschen erobert. Die deutschen Soldaten plünderten und bereicherten sich sowohl an Lebensmitteln als auch an Sach- und Kulturgütern. Da Diksmuide auch danach noch öfters zum Kriegsschauplatz wurde, gingen fast die vollständigen Archivbestände der Stadt verloren.
Vor kurzem wurden im Rahmen einer Neuverzeichnung der Urkundensammlung des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz jene 23 spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Urkunden aus Diksmuide gefunden. Laut Akzessionsbuch (Buch zur Notierung von Neuerwerbungen) des Preußischen Kulturbesitzes wurden die Dokumente 1970 von privater Seite in Berlin für 100 DM angekauft. Erst jetzt wurde festgestellt, dass es sich bei diesen Dokumenten um im Ersten Weltkrieg geraubte Kulturgüter handelt.
Im Einzelnen sind es Pergament- oder Papierurkunden, die bei Verkaufs- oder Rechtsgeschäften von Privatpersonen durch Bürgermeister und Schöffen der Stadt ausgestellt worden waren. Die älteste der 23 Urkunden lässt sich auf das Jahr 1446 und die jüngste auf das Jahr 1739 datieren.
Als Geste der Wiedergutmachung ließ das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz den unerwarteten Fund konservatorisch behandeln und die kleinformatig zusammengelegten Dokumente glätten und reinigen. Die bearbeiteten Urkunden wurden daraufhin in 17 modernen Archivschachteln dem Stadtarchiv Diksmuide ausgehändigt.





