Die Gründung des Germanischen Nationalmuseums 1852 als eine der ersten kulturgeschichtlichen Sammlungen geht auf die Initiative des fränkischen Juristen und Altertumsfreundes Hans Freiherr von und zu Aufseß (1801–1872) zurück. Sein Ziel war ein „wohlgeordnetes Generalrepertorium über das ganze Quellenmaterial für die deutsche Geschichte, Literatur und Kunst“ bis 1650 – wie er es selbst formulierte. Eine nationale Institution zur Erforschung der deutschen „Vorzeit“ schwebte ihm vor, obwohl das Gebiet damals aus zahlreichen einzelnen Kleinstaaten bestand. Über politische Grenzen hinweg sollte die Kulturgeschichte des gesamten deutschen Sprachraums vereint werden – parallel zur Germanistik, die sich der Erforschung der deutschen Sprache verschrieben hatte.
Romantisch-patriotische Mittelalterverklärung und enzyklopädischer Sammlungswille prägten die Frühphase des Museums. Gesammelt wurden Originale und Kopien aus Bibliotheken, Archiven, dem Alltagsleben und der Kunst. Gelder standen kaum zur Verfügung. Zwar gaben einige deutsche Staaten feste Jahresbeiträge, im Wesentlichen finanzierte sich die neue Einrichtung aber zunächst aus Spenden einzelner Herrscherhäuser, Kommunen, von Vereinen und Privatpersonen. Die Begeisterung für ein Museum der deutschen Kulturnation war groß, Unterstützer zwischen Elsass und Siebenbürgen, dem Balkan und Südtirol schenkten großzügig Objekte für die Sammlung.





