Ziel der Ausstellung ist es, Delaroches „Hinrichtung der Lady Jane Grey“ im Zusammenhang mit anderen seiner historischen Bildnisse zu untersuchen. Auch wird die Beziehung zwischen seinen Historiengemälden und seinem Interesse am Theater beleuchtet. Neben den Werken Delaroches und den ausdrucksstarken Vorzeichnungen für „Lady Jane“, wird eine Auswahl verwandter Gemälde und Drucke seiner Zeitgenossen, wie zum Beispiel Eugéne Lami, Claude Jacquand und François-Marius Granet, ausgestellt sein.
Paul Delaroche entstammte einer bescheidenen, aber dennoch künstlerisch interessierten Pariser Familie. Im Alter von 19 Jahren trat er in die École des Beaux Arts ein und besuchte gleichzeitig das Atelier von Louis Etienne Watelet, einem französischen Maler, der vor allem für seine idyllischen Landschaftsmalereien bekannt war. Weil Delaroche der Erfolg auf diesem Gebiet jedoch verwehrt blieb, wechselte er nur ein Jahr später in die Schule von Antoine-Jean Gros. Wie sein Lehrmeister begann sich auch Delaroche hauptsächlich der Historienmalerei zu widmen.
Mit dem Bild „Errettung des kleinen Joas durch seine Tante Joseba“ (1822), das Delaroche im Pariser Salon ausstellte, gelang es ihm erstmals Aufsehen zu erregen. Auch verhalf es ihm dazu, mit Théodore Géricault und Eugéne Delacroix in Kontakt zu treten und sich mit ihnen anzufreunden. Zu dritt bildeten sie das Herz einer Gruppe von Historienmalern in Paris.
Größte Bewunderung rief Delaroches Werk „Tod der Königin Elisabeth“ (Louvre) hervor. Dieses eröffnete nicht nur die lange Bilderreihe des Künstlers mit Szenen aus der englischen Geschichte, sondern stellte auch seinen ersten durchschlagenden Erfolg dar.
Einen weiteren Triumph brachte ihm die im Jahre 1833 entstandene Darstellung „Die Hinrichtung der Lady Jane Grey“ ein, die auch im Zentrum der gleichnamigen Ausstellung steht. Erstmalig wurde dieses Kunstwerk 1834 im Pariser Salon enthüllt und war bereits seiner Zeit eine Sensation. Nicht nur die auffallend realistische Ausführung, sondern auch der monumentale Umfang und die rührende Thematik ließen das Werk als Beginn einer neuen Form der Malerei erscheinen.
Jane Grey (1537-1554) war die Tochter einer Cousine König Eduards VI., der sie anstelle seiner Halbschwester Maria Tudor zur Erbin machte. Der letzte Wille des Königs stand jedoch im Widerspruch zum „Act of Succession“ von 1543. In diesem hatte sein Vater bereits die weitere Thronfolge festgelegt. Um den königlichen Willen dennoch zu realisieren, versuchte Dudley Guilford, der Ehemann Jane Greys, den Tod des Königs zu verheimlichen und Maria Tudor verhaften zu lassen. Diese wurde jedoch frühzeitig gewarnt und konnte fliehen.
Während Jane Grey im Tower of London überstürzt und ohne jede zeremonielle Feier zur Königin gekrönt wurde, organsierte ihre Widersacherin ihre Anhängerschaft in Norfolk und ließ sich ebenfalls zur Königin ausrufen. Nur neun Tage nach der Regenschaftsübernahme durch Jane Grey gelang es ihrer Cousine und Thronrivalin Maria Tudor sie vom Thron zu stürzen. Lady Grey sowie ihr Ehemann Guilford Dudley wurden des Hochverrats angeklagt und zum Tode verurteilt.





