Einfacher wird es auch nicht, wenn es sich um ein Handbuch handelt, das in der Reihe „Oldenbourg Grundriss der Geschichte“ mit ihrem seit Jahrzehnten bewährten Konzept, aber entsprechend auch klaren Korsett erscheint. Jeder Band der Reihe ist in drei Abschnitte unterteilt: eine knappe historische Darstellung, einen Überblick über Grundprobleme und Tendenzen der Forschung sowie eine ausführliche Auflistung von Quellen und Literatur.
Stefan Jordan meistert – man möchte sagen: erwartungsgemäß – diese Herausforderungen vorbildlich, indem er sie transparent macht, die eigene Position reflektiert und zur konstruktiven Kritik ausdrücklich einlädt. Mit leichter Hand führt er ein in die kultur- und epochenspezifischen Eigenheiten, Entwicklungen und Verflechtungen der Geschichtsschreibung seit den frühesten Aufzeichnungen altägyptischer Herrscherlisten, die noch dürre Zusatzinformationen enthalten. Dass dabei nur grobe Züge geschildert werden können, liegt auf der Hand. Ein Schreiber etwa wie der spätantike Paulus Orosius mit seiner Geschichtstheologie wäre spannend, ist aber viel zu spezifisch, um Erwähnung finden zu können.
Den zweiten Teil des Buches nutzt Jordan nicht für eine klassische Darstellung von Forschungskontroversen, sondern führt in die Theorie der Geschichtsschreibung ein und bietet letztlich eine knappe Geschichte der Geschichtswissenschaft. Dabei zeigt er überzeugend, dass Geschichtswissenschaft und Demokratie sich gegenseitig bedingen. Ferner lässt er auch das – meines Erachtens insbesondere sehr deutsche – Phänomen nicht aus, dass die akademische Geschichtsforschung bisweilen etwas naserümpfend auf die Vermittlung ihrer Erkenntnisse durch populärwissenschaftliche Geschichtsschreibung und andere populäre Formate wie Podcasts blickt.
Auch betont Stefan Jordan, dass sich mit Geschichtsschreibung nur schlecht Geld verdienen lässt: Akademisch Tätige müssen für die Veröffentlichung ihrer Ergebnisse meist Druckkostenzuschüsse bezahlen, während diejenigen, die nicht auf das wissenschaftliche Prestige ihrer Publikationen achten müssen, also publikumswirksamer schreiben können, dies gewöhnlich nur nebenberuflich tun können.
Lediglich ein sorgfältigeres Lektorat hätte das Buch verdient gehabt. Zwar kann man Jordan schon aus eigener Erfahrung verzeihen, dass im Eifer des Schreibgefechts Tippfehler passieren und an einer Stelle aus Max Webers „Wissenschaft als Beruf“ plötzlich „Geschichte als Beruf“ wird. Ein aufmerksames Lektorat muss aber zumindest Letzteres bemerken und beheben. Von diesem dem Verfasser nicht anzurechnenden Schönheitsfehler einmal abgesehen, ist der Band uneingeschränkt zu empfehlen – für Studenten und Forschende, aber auch für Lehrkräfte und alle Geschichtsinteressierten.





