Über Jahrhunderte hatte in Spanien eine feudale Elite von “hidalgos”, von landbesitzenden Edelleuten, die Politik bestimmt. Im „Siglo de Oro“, im „Goldenen Zeitalter“ des 16. und 17. Jahrhunderts, war es die führende Weltmacht gewesen. Die Monarchie bezog noch Mitte des 19. Jahrhunderts ihr Selbstverständnis aus kastilischen Rittertraditionen und aus Spaniens vergangener Größe. Zur Elite zählten sich nun auch die Militärs, hohe Geistliche und ein städtisches Bürgertum, während der Großteil der Spanier am Existenzminimum lebte.
Trotz oder gerade wegen seiner reichen kolonialen Einkünfte waren in Spanien lange kaum Manufakturen und Industriebetriebe gegründet worden. Mit dem steten Fluss von Silber und Gold aus der Neuen Welt konnten Konsum- und Gebrauchsgüter, die man aus anderen Ländern bezog, mühelos bezahlt werden. Im frühen 19. Jahrhundert zerbrach das Kolonialreich in Amerika nach einem überaus kostspieligen Unabhängigkeitskrieg. Auch die napoleonische Herrschaft hinterließ tiefe Spuren. Ihr folgten in drei Jahrzehnten mehr als 40 Regierungen, zwei Bürgerkriege, zwei Könige, drei Verfassungen und 15 militärische Aufstände. 1868 begannen die reiche Zuckerinsel Kuba und Puerto Rico, die letzten beiden Kolonien Spaniens in der westlichen Hemisphäre, einen Unabhängigkeitskrieg gegen das Mutterland. …
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PD Dr. Ursula Prutsch





