Die kostbaren Kleidungsstücke stammen größtenteils aus dem 11. Jahrhundert. Doch im ausgehenden Mittelalter erfuhren die Gewänder eine umfassende Neugestaltung: Die Goldstickereien wurden aus ihrem ursprünglichen Trägerstoff ausgeschnitten und auf neue Seidengewebe genäht. Bislang nahm die Forschung an, dass dabei auch die ursprüngliche Anordnung der Stickereien übernommen wurde. Genau das stellt die Kunsthistorikerin Tanja Kohwagner-Nikolai zum Beispiel hinsichtlich des Sternenmantels in Frage: „Es gibt viele Hinweise darauf, dass die Stickereien gezielt neu zusammengestellt wurden. Wir nehmen an, dass bewusste und tiefgreifende Veränderungen in Auftrag gegeben wurden, um die Entstehung eines Kaiser- und Heiligenkultes zu befördern.”
For Wissenschaftler der Univesität Bamberg wollen herausfinden, wie und wo die Gewänder hergestellt, zu welcher Zeit die Textilien auf welche Weise verändert wurden, wer diese Änderungen in Auftrag gab und wer sie ausführte. Diese Fragestellungen betreffen unterschiedliche Zeitebenen vom 11. über das 15. Jahrhundert bis zur letzten Restaurierung Mitte des 20. Jahrhunderts. Die gewonnenen Erkenntnisse, so hoffen die Forschenden, können Auskunft über die Ursachen und Absichten geben, die hinter diesen bewussten Eingriffen stehen. Projektleiter Stephan Albrecht, Inhaber des Lehrstuhls für Kunstgeschichte, sagt: „Wir erwarten neue Erkenntnisse darüber, wie sich das Aussehen der Gewänder von der Herstellung bis heute entwickelt hat.” Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in den kommenden vier Jahren mit 350.000 Euro gefördert, Kooperationspartner sind das Bamberger Diözesanmuseum und die Bayerische Akademie der Wissenschaften.
Proben von Fasern werden untersucht
Um der Komplexität der Gewänder hinsichtlich ihres Materials und ihrer Geschichte auf die Spur zu kommen, verfolgen die Forschenden einen interdisziplinären Ansatz, der naturwissenschaftliche und technologische mit historischen und kunsthistorischen Methoden kombiniert. Die Basis dafür sind unter anderem Mikro-Proben, die derzeit von Fasern und Goldfäden genommen und analysiert werden. Begleitet werden diese Untersuchungen durch Aufnahmen mit dem Videomikroskop.
Die Untersuchungen sollen unter anderem Hinweise auf verschiedene Herstellungsarten der verwendeten Goldfäden liefern. Die technologischen Untersuchungen werden von der Textilrestauratorin Sibylle Ruß, die naturwissenschaftlichen Analysen von Ursula Drewello vom Forschungslabor Drewello und Weißmann durchgeführt. „Mit unseren Methoden können wir erstmals für diese Textilgruppe exakte Material- und Technikunterschiede aufzeigen und zeitliche Unterschiede in der Herstellung belegen”, erklärt Kohwagner-Nikolai.





