„König Eumenes war … ein Mann, der in den meisten Stücken keinem der gleichzeitigen Könige nachstand, sie in den wichtigsten und schönsten aber an Größe und Glanz übertraf. Denn erstens machte er sein Reich … den größten seiner Zeit gleich, nicht so sehr unter dem Beistand des Glücks oder des Zufalls, sondern durch seinen Verstand, seine Arbeitsamkeit und Tätigkeit. Zweitens war er sehr ruhmliebend, und keiner unter allen Königen seiner Zeit erzeigte so vielen griechischen Städten Gutes und bereicherte so viele Privatpersonen. Drittens wusste er sich bei seinen drei an Alter und Tatkraft ihm nachstehenden Brüdern so in Achtung zu setzen, dass sie ihm gehorchten, ihn beschirmten und die Würde seines Thrones wahrten. Gewiss eine seltene Erscheinung.“
Mit diesen Worten beurteilt der griechische Historiker Polybios (um 200 – um 120 v. Chr.; „Historien“ 32, 8) das Wirken des pergamenischen Königs Eumenes II., der zu den bedeutendsten Herrscherpersönlichkeiten des Hellenismus gehört. Als Eumenes im Jahr 159 v. Chr. im Alter von etwa 70 Jahren verstarb, hinterließ er seinem Bruder und Nachfolger Attalos II. ein in kultureller Blüte stehendes Reich, das außenpolitisch jedoch von der expandierenden Hegemonialmacht Rom abhängig geworden war. In seiner beinahe vier Jahrzehnte währenden Regierungszeit hatte der König es vermocht, die vielen militärischen Auseinandersetzungen mit den Seleukiden, Bithyniern, Makedonen und Kelten letztlich zugunsten Pergamons zu entscheiden. Durch die enge Bündnispolitik mit den Römern konnte er nach siegreich geführten Kriegen das Gebiet des pergamenischen Reichs stetig vermehren, das 183 v. Chr. seine größte Ausdehnung erreichte und nunmehr fast ganz Kleinasien umfasste. So wuchs auch der ohnehin enorme Staatsschatz, der die Grundlage für alle gemeinnützigen Projekte des Herrschers bildete.
Im kulturellen Wettstreit mit anderen hellenistischen Metropolen, zum Beispiel dem ägyptischen Alexandria und dem syrischen Antiocheia, gelang es Eumenes, seiner Residenzstadt Pergamon eine überragende Bedeutung zu verleihen. Sein offenkundiger Anspruch, an diesem Ort ein zweites Athen zu schaffen und somit als Bewahrer griechischer Kultur zu gelten, schlug sich in einem gewaltigen innerstädtischen Bauprogramm nieder. So wurde Pergamon zum Anziehungspunkt für namhafte Architekten, Künstler, Dichter, Philosophen und Naturwissenschaftler, die ihr Werk in den Dienst des Herrscherhauses stellten.
Berühmt waren vor allem die königlichen Kunstsammlungen und die Bibliothek – nach jener in Alexandria die zweitgrößte der antiken Welt. Dazu schreibt der griechische Historiker und Geograph Strabon (um 63 v. Chr. – nach 23 n. Chr.; „Geographica“ 13, 4, 2): „Dieser Eumenes vergrößerte die Stadt, … errichtete Baudenkmale und Büchersammlungen und erhob aus Prachtliebe die Stadt Pergamum auf die Höhe, die sie noch jetzt behauptet.“ Aber auch andernorts, etwa in Athen und in einigen panhellenischen Heiligtümern wie Delphi, engagierte sich Eumenes mit gestifteten Bauten und Denkmälern als Mäzen, was ihm beträchtlichen Ruhm und hohes Ansehen unter den Zeitgenossen einbrachte. Für seine Wohltätigkeit empfing er zahlreiche Huldigungen. So sind aus Delphi, Aigina und Sardeis für den König veranstaltete Feste überliefert, die seinen Namen trugen (Eumeneia). In Milet existierte ein heiliger Bezirk für den kultisch verehrten Herrscher, eine eigens für ihn berufene Priesterschaft gab es auf Kos.





