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RezensionRezensionen

Globale Germanen

Autor: DAMALS-Redaktion

An Synthesen zur deutschen Geschichte, die Regalmeter an Forschung zusammenfassen, herrscht kein Mangel. Allerdings ragt das neue, gewichtige Buch des amerikanischen Deutschlandexperten David Blackbourn, der viele Jahre in Harvard lehrte, aus der Masse der übrigen Darstellungen vor allem durch zwei Merkmale heraus. Ers…

Globale Germanen
An Synthesen zur deutschen Geschichte, die Regalmeter an Forschung zusammenfassen, herrscht kein Mangel. Allerdings ragt das neue, gewichtige Buch des amerikanischen Deutschlandexperten David Blackbourn, der viele Jahre in Harvard lehrte, aus der Masse der übrigen Darstellungen vor allem durch zwei Merkmale heraus. Erstens ist der behandelte Zeitraum ungewöhnlich lang: nämlich von um 1500 bis an die Schwelle zur Gegenwart. Zweitens fokussiert Blackbourn weniger den geographischen Raum, in dem herkömmlicherweise „deutsche“ Geschichte geschrieben wird, sondern vielmehr den gesamten Globus.
Autor
DAMALS-Redaktion
17. November 2025
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Rezensionen

Das Buch führt in zwölf Kapiteln, die einer Mischung aus Chronologie und Systematik folgen, durch die Jahrhunderte. Die angesprochenen Themen sind breit gefächert: So erfährt man etwas über Missionare, Entdeckungsreisende und deren Berichte ebenso wie über Sklavenhändler, Wissenschaftler oder Auswanderer, technologische Innovationen und ökonomische Entwicklungen. Man erfährt, wie andere Staaten sich an Deutschland orientierten – etwa am Universitätssystem oder der Musikkultur – oder sich in Zeiten von Krisen und Konflikten scharf abgrenzten.

Im Ergebnis wird deutlich, wie stark „Deutschland“ mit Europa und dem Rest der Welt verflochten war, wie Prozesse, Ideen, Personen und Güter den Rest des Globus prägten und wiederum auf die deutsche Staatenwelt zurückwirkten; sei es in Form von Konzepten wie „Weltliteratur“ oder „Weltwirtschaft“, sei es durch die Verknüpfung von innerer und äußerer Mission oder vieler anderer Phänomene. Im deutschen Sprachraum verhandelten die Zeitgenossen darüber, welche Stellung Deutschland in der Welt einnehme oder einnehmen sollte. Dabei zeigt sich, dass sich das Bild, das die Deutschen von sich und ihrem Land gewannen, selbst in durch Aneignung und Abwehr gekennzeichneten Austauschprozessen entwickelte.

„Deutschland“ erscheint bei Blackbourn weniger als geschlossener Container, der „deutsche Geschichte“ oder Politik enthält, sondern seine Erzählung bleibt offen und folgt Akteuren aus Deutschland bis an die Ränder der Welt und wiederum Fremden, die nach Deutschland kamen. Darunter sind auch Afrikaner, die aus den deutschen Kolonien stammten. Ihr Besuch im Kaiserreich löste von (unerwünschter) Neugier bis zu Schmähungen eine breite Palette an Reaktionen aus.

Insgesamt wird Blackbourn seinem in der Einleitung aufgestellten Anspruch gerecht, aus einer globalen Perspektive auf Deutschland zu schauen. Die Themen, Zitate und näher beleuchteten Komplexe sind gut ausgewählt und stets aufschlussreich. Auch diejenigen, die meinen, sich mit der Geschichte Deutschlands bereits gut auszukennen, werden neue Erkenntnisse gewinnen. Alle anderen müssen aufpassen, dass sie nicht von einer enormen Faktendichte erschlagen werden, obwohl es dem Autor gelingt, seine Leser sicher und immer entlang klar erkennbarer Fragen durch die enorme Komplexität der letzten fünf Jahrhunderte zu leiten. Kurzum, dieses Buch verdient, aufmerksam gelesen zu werden.

Rezension: Dr. Sebastian Rojek

David Blackbourn
Die Deutschen in der Welt
Siedler, Händler, Philosophen: Eine globale Geschichte vom Mittelalter bis heute
DVA, München 2024, 1008 Seiten, € 42,–

DeutschenDeutschlandGeschichteRezension
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