Als Instrument der Politik spielte Religion dennoch kaum eine Rolle. Wenn die Bürger gemeinsam ein Ritual vollführten, so mochte dies den Zusammenhalt stärken – insofern war Religion stets politisch. Aber es gab nicht die aufgeklärte Elite, die eine tumbe Masse durch Religion oder gar Furcht vor den Göttern manipulierte. Religion war in der Antike kein „Opium“ für das Volk. Glaubenskriege und Missionierung waren im polytheistischen Rom nicht vorstellbar.
Die Religion der Römer war keineswegs so starr, wie dies noch oft zu lesen ist. Religion ist ein Teil von Kultur und daher stets dynamisch: Mythen wurden in unterschiedlichen Varianten erzählt, Rituale liefen nicht immer streng nach demselben Schema ab, Priesterämter wandelten sich, neue Götter hatten Konjunktur, während andere vergessen wurden.
Genau diese Dynamik ist zu berücksichtigen, wenn wir nach der Übernahme der griechischen Götterwelt durch die Römer fragen. Um die Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. verfasste Marcus Tullius Cicero sein umfangreiches Werk „Über das Wesen der Götter“; er stellte darin unterschiedliche philosophische Positionen dar – allesamt griechischer Provenienz – und ließ die Leser irritiert zurück. Er verzichtete auf klare Aussagen über das Wesen der Götter oder auf eine römische Theologie, die in einem polytheistischen System ohnehin nicht gedacht werden konnte. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 11/2013.
Prof. Dr. Veit Rosenberger





