Seit jeher übte Gold eine große Faszination auf die Menschen aus. Als sonnengleiches Lichtsymbol spielte es in allen Hochkulturen eine bedeutende Rolle und wurde als Material der Götter, der Herrscher und des Adels eingesetzt. Die Gier nach dem Metall war aber auch Grund für Kriege, Plünderungen und Eroberungen. Bis heute wird es in Krisenzeiten als stabile Wertanlage angesehen.
In der Kunstproduktion wurde Gold besonders im Mittelalter häufig verwendet, danach verschwand es für Jahrhunderte fast vollständig aus der bildenden Kunst. Erst ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begannen viele Künstler wieder mit Gold arbeiten. Dazu Ausstellungskurator Thomas Zaunschirm: „Bis vor wenigen Jahren war praktisch unbekannt, dass in der Gegenwart mehr Künstler mit dem Edelmetall arbeiten als in den Jahrhunderten nach dem Mittelalter. Dabei ist überraschenderweise festzustellen, dass dies viele Künstler als Tabubruch empfinden. Sie sind an Vorwürfe gewöhnt, die vom kunstgewerblichen Kitsch über das Dekorative bis zum Elitär-Traditionellen reichen. Der Reiz des Materials liegt in einer Polarität von unmittelbarer Gegenwärtigkeit und assoziationsreicher historischer Reflexion. Die überraschende, nie zuvor gezeigte Vielfalt ästhetischer Positionen zwingt auch zu einer Revision der kunsthistorischen Forschung zum Goldgrund. Die beliebten Dogmen von der Sakralität und der Spiritualität des wertvollen Materials sind unhaltbar und haben sich als Erfindung des 20. Jahrhunderts entpuppt.“
Das Belvedere eignet sich ganz besonders als Ausstellungsort für diese umfassende Präsentation zum Thema Gold, wie Direktorin Agnes Husslein-Arco betont, „nicht nur weil sich die Verwendung von Gold wie ein roter Faden durch die verschiedenen Sammlungsbereiche und die Architektur der Belvedere-Schlösser zieht, sondern auch weil in der Schau traditionelle Erscheinungsformen mit zeitgenössischer Kunst konfrontiert werden“.
Der erste Teil der Ausstellung im Unteren Belvedere thematisiert die historische Verwendung des Goldgrundes mittels beispielhafter Exponate und präsentiert im Anschluss die Bandbreite des zeitgenössischen Einsatzes von Gold anhand von Themenschwerpunkten: Rahmen, Landschaft, Stillleben und sakrale Formen.
Die frühesten bekannten Goldgründe finden sich in Mumienporträts aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Im Schatzhaus Mittelalter im Prunkstall wird der Einsatz von Gold ab dem 14. Jahrhundert eindrucksvoll vor Augen geführt. Mittelalterlichen Altarwerken werden dabei zeitgenössische Arbeiten von u. a. Jan Fabre und Gajin Fujita gegenübergestellt. Mit der beginnenden Renaissance und dem sich wandelnden Fokus auf den Menschen und die Natur wurde der Goldgrund für Jahrhunderte aus der Malerei verbannt. Im 17. Jahrhundert wurde wie in Frans von Mieris’ d. Ä. Der Besuch des Arztes ein unsichtbarer Goldgrund verwendet, unter der Malschicht verborgen sollte er den kupfernen Bildträger vor chemischen Reaktionen mit den Ölfarben schützen. Die erstmalige Verwendung von Gold in der neuzeitlichen Malerei dokumentieren die Bilder von Giandomenico Tiepolo. Hier diente das Metall zur Imitation von skulpturalen Denkmälern. Im 19. Jahrhundert führte das Interesse am Mittelalter zu einer Wiederkehr des Goldgrundes und zu einem vorerst letzten Höhepunkt im Einsatz von Gold um 1900. Allerdings herrschten dabei meist Ersatzmaterialien wie Schlagmetall und Goldfarbe vor. Die Avantgarden des 20. Jahrhunderts ächteten das Gold zunächst. Erst seit den 1950er-Jahren wird das Edelmetall in der künstlerischen Produktion wieder zunehmend verwendet: Richard Hamiltons The „Gold“ Guggenheim von 1965 etwa zeigt die Architekturikone in Anlehnung an Kultobjekte ganz in Gold.





