Wer heute auf der Autobahn von Nürnberg nach Prag unterwegs ist, bewegt sich über geschichtsträchtiges Gebiet. Auf der als „Via Carolina“ ausgeschilderten Route über die Mittelgebirgsschwelle zwischen Bayern und Böhmen reisten bereits seit dem frühen Mittelalter Kaiser, Könige, Prediger und Kaufleute, wobei das stark verzweigte Handelsnetz nicht nur die Zentren Nürnberg und Prag verband. Waren aus den Mittelmeerländern, dem Orient, aus Flandern, Russland, Ungarn und Polen wurden über diese Strecke transportiert, die noch heute den Namen des Mannes trägt, der durch seine Handelspolitik einen wesentlichen Anteil am Erfolg dieser Verbindung hatte: Karl IV., böhmischer König und deutscher Kaiser. Doch diese auch als „Goldene Straße“ bekannte Verbindung durch die Oberpfalz war niemals die einzige bedeutende Verkehrsverbindung zwischen Bayern und Böhmen.
Die Mittelgebirgsschwellen des Oberpfälzer und Bayerischen Waldes auf der deutschen Seite der Grenze sowie des Ceský les und der Šumava (Böhmerwald) auf dem Gebiet der Tschechischen Republik stellten eigentlich zu keiner Zeit ein wirkliches Hindernis für den Verkehr dar. Diese Mittelgebirge wurden seit frühester Zeit von einem differenzierten System sich verzweigender Routen überquert, die sich untereinander berührten und zu unterschiedlichen Zeiträumen ihre jeweils größte Bedeutung erlangten.
Durch die bereits im frühen Mittelalter herausragende Bedeutung des Handelszentrums Regensburg wurde bis ins frühe 12. Jahrhundert der aufkommende Verkehr zwischen Böhmen und dem Rhein-Main-Gebiet sowie dem süddeutschen und auch dem italienischen Raum über die Stadt an der Donau und dann hauptsächlich über die Cham-Further Senke und eventuell über das Gebiet um Waldmünchen nach Böhmen und dort vor allem nach Prag geleitet.
Mit dem schnellen Aufstieg der erst um 1040 gegründeten Stadt Nürnberg verlagerte sich ein Großteil des Verkehrs schließlich auf die weiter nördlich verlaufenden Trassen der heute als „Goldene Straße“ bekannten Verbindung durch die nördliche Oberpfalz. Diese Trassen, auf denen vor allem Waffen, Tuche und Gebrauchsgüter in das weltliche und geistige Zentrum Prag transportiert wurden, erlangte ihre Blütezeit während der Regierungszeit Karls IV.
Während der Regierungszeit dieses böhmischen Königs und deutschen Kaisers wurde auch das bereits seit dem 11. Jahrhundert urkundlich erwähnte System der „Goldenen Steige“ ausgebaut, der dritten bedeutenden Verbindung zwischen Böhmen und Bayern. Auf diesen oft steilen Trassen wurde vor allem Salz von Passau aus ins Böhmische Becken transportiert. Auch wenn diese Altstraßensysteme ihre Blütezeit erst im Mittelalter erreichten, bestanden bereits seit frühgeschichtlicher Zeit bedeutende Kommunikations- und Tauschhandelswege zwischen dem Donauraum und dem Böhmischen Becken. Dabei wurden nachweislich bereits im Neolithikum auch Flüsse für den Transport von Feuersteinen aus dem Donaugebiet nach Böhmen genutzt. Erst nach und nach entwickelten sich in diesem bäuerlich geprägten Gebiet, das wohl nur einen unzureichenden Markt für überregionale Handelsgüter bot, überregional bedeutendere Pfade und Steige.





