Die Lektüre kann man empfehlen, auch wenn das Buch nicht in jeder Hinsicht gelungen ist. Der Band ist nämlich mit farbigen Abbildungen versehen, die über weite Strecken in die Irre führen. Offenbar hat man sich bei der Bildauswahl überhaupt nicht darum gekümmert, was die Verfasserin bespricht, während sie oft mit keinem Wort auf manche durchaus zu ihrem Gedankengang passende Illustration ein‧geht. Mit einer Ausnahme sind weder Standnummern noch Bibliotheken angegeben; so ist stellenweise einfach nur von einem Reichenauer Evangeliar oder einem französischen Stundenbuch die Rede.
Fatal wird das Auseinanderklaffen von Text und Bild am Anfang und am Ende. Dies ist besonders bedauerlich, weil es dort Abbildungen gibt, die auch dem Kenner nicht geläufig sind. Inkonsequente Bildunterschriften lassen fragen, wie vertraut die Verfasserin selbst mit manchem war, was sie zu betexten hatte. Die Bibliographie am Schluss ist ebenfalls ein Ärgernis.
Als Planungsfehler erweist sich die Verteilung des Stoffes über die Jahrhunderte: Die Anfänge werden so ausführlich erörtert und mit guten Beobachtungen zu einzelnen Handschriften versehen, als sei zunächst ein umfangreicherer und dem Stoff angemessener Text angestrebt gewesen. Jedoch verwundert bei den frühen Bilderhandschriften die Vorstellung, dass Buchmaler wegen ihres niederen sozialen Standes schon um 1000 aus dem Laienstand rekrutiert wurden. Gegen Ende wird die Darstellung immer flüchtiger, wenn es auch Inseln der Ruhe gibt.
Der Gegenstand ist überbordend; und deshalb sind Fehler unvermeidlich; amüsant ist jener, wo die Verfasserin einem Missgriff des Buchmalers auf den Leim geht: Zu „Gaude virgo mater Christi“ zeigt dieser fälschlich Joseph in Ägypten. Für AnjaGrebe geht es um den Ziehvater Joseph, an den wohl schon der Buchmaler dachte, als er zum Mariengebet die Bilder setzte. Außerdem meint sie, die Miniatur stamme von Jean Poyet; sie ist jedoch nicht von Poyer in Tours, sondern vom Meister des Robert Gaguin in Paris gemalt.
Rezension: König, Eberhard





