Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt von LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Bistum Münster sowie dem Exzellenzcluster „Religion und Politik“. Vom 26. Februar bis zum 28. Mai 2012 präsentiert sie auf 1.500 Quadratmetern in zwölf Räumen insgesamt 300 herausragende Werke der Goldschmiedekunst des 10. bis 16. Jahrhunderts. Die Kuratoren konnten internationale Leihgaben aus Museen, Bibliotheken und Kirchen in ganz Europa zusammentragen, wie LWL-Kuratorin Dr. Petra Marx und Bistums-Kurator Holger Kempkens erläuterten. Die Werke kommen aus der Schweiz, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Großbritannien und Finnland. 220 Leihgaben stammen aus Deutschland, 180 davon aus westfälischen Kirchen, Klöstern, Archiven und Museen. Das LWL-Landesmuseum und die Domkammer steuern selbst 60 herausragende Exponate bei.
Die Ausstellung schreibt ein Stück westfälischer Geschichte neu, wie Althoff erläuterte. „Das Spätmittelalter stellt sich hier nicht als Zeitalter des Niedergangs dar, sondern als kulturelle Blütezeit: Ein selbstbewusstes Bürgertum stiftete aus tiefer Frömmigkeit hochwertige Kreuze, Kelche oder Schreine. Einige Klischees über die Provinzialität der Westfalen lassen sich im Licht der ‚Goldenen Pracht‘ über Bord werfen.“ Von der Kunstfertigkeit der Goldschmiede zeugen in der Ausstellung laut Marx Schätze wie der Cappenberger Barbarossa-Kopf, das wohl erste Porträt des Mittelalters, das Borghorster Reliquienkreuz, das jüngst in London ausgestellt wurde, und die einzigartigen Silberstatuetten wie die der Heiligen Agnes aus dem Münsterischen Domschatz.
„Viele Stücke holen wir erstmals aus dem Verborgenen“, sagte Bistums-Kurator Holger Kempkens. „So werden die Apostelfiguren vom Hochaltar des Münsterischen Doms nach Jahrzehnten zum ersten Mal wieder öffentlich zu sehen sein. Andere Werke wie der Sifridus-Kelch aus dem finnischen Borga, der im 30-jährigen Krieg (1618-1648) aus dem Osnabrücker-Schatz verschwand, sind nur selten in Deutschland zu bewundern.“ Die Ausstellung zeigt Marx zufolge einerseits sakrale Stücke wie die weltweit älteste Monstranz, die aus der Abtei Herkenrode in Belgien stammt. Andererseits präsentiert sie edelste Gegenstände für den weltlichen Gebrauch wie das einzigartige Ratssilber aus Osnabrück oder filigranen Schmuck für die städtische Kundschaft.
Den westfälischen Objekten werden in der Ausstellung jeweils internationale gegenübergestellt. So lassen sich laut Kempkens nicht nur internationale künstlerische Einflüsse auf die westfälische Kunst entdecken, sondern auch die hohe Qualität der Objekte: „Der Beckumer Prudentia-Schrein, in heimischer Goldschmiedeproduktion entstanden, wird neben dem berühmten Marienschrein aus Tournai erstrahlen, der aus der berühmten Werkstatt des Nikolas von Verdun stammt, dem Erbauer des Dreikönigsschreins im Kölner Dom.“ Das kostbarste Material des Mittelalters war das Gold: „Ob adlige oder bürgerliche Stifter: Das Beste war gerade gut genug, wenn es galt, Gott und die Heiligen zu ehren“, so Historiker Althoff. Kuratorin Marx ergänzte: „Sein überirdischer Glanz machte es zu einem Sinnbild für das Ewige, Heilige und Göttliche und brachte den Menschen die himmlische Herrlichkeit nahe.“ Die Goldschmiedearbeiten, oft mit Silber und Edelsteinen versehen, wurden so zu Zeugnissen christlicher Frömmigkeit und weltlicher Repräsentationsbedürfnisse.





