Das 1,08 auf 1,71 Meter große und reich bebilderte Leinwandfragment, das um 1470/80 datiert, ist sehr wahrscheinlich Teil eines größeren spätgotischen Fastentuchs. Dessen Bildprogramm stellte vermutlich die Heilsgeschichte von der Schöpfung bis zum Weltgericht dar – das kann man aus ähnlichen erhaltenen Exemplaren schließen. Fastentücher werden nachweislich seit über 1000 Jahren häufig während der Fastenzeit vor Ostern zur Verhüllung von Chorräumen, Altären, Kreuzen oder auch Kultbildern verwendet. Bunt bemalte Fastentücher wie das nun ausgestellte Fragment sind in Mitteleuropa jedoch erst ab dem frühen 15. Jahrhundert erhalten.
Werk des Künstlers Thomas von Villach
Durch Stilvergleiche der Malerei lässt sich dieses Stück eindeutig dem bedeutendsten Kärntner Maler Thomas von Villach zuordnen. Bis vor wenigen Jahren war jedoch nicht bekannt, dass dieser auch Textilien bemalte – Berühmtheit erlangte der Künstler durch seine Wand- und Tafelmalereien. Auf dem Fragment sind Schlüsselszenen aus dem Alten Testament dargestellt, wie zum Beispiel die Mannalese und das Quellwunder Mose. Leider ist unbekannt, in welcher Kirche das Fastentuch früher Anwendung fand.
Die Ausstellung kann bis 25. Mai 2015 im Schaudepot des Schatzhauses Mittelalter im Prunkstall des Unteren Belvedere besucht werden.





