Waka: Königssitz und Handelszentrum
Die Mayastadt Waka lag rund 60 Kilometer westlich von Tikal am San Pedro-Fluss. Durch diese Lage hatte sie eine strategisch günstige Position an der Kreuzung zweier großer Maya-Handelsrouten – und ihre Einwohner profitierten davon. Hunderte Gebäude, vier Plätze und Zeremonialzentren zeugen davon, dass hier in der klassischen Periode der Mayakultur wahrscheinlich zehntausende von Menschen lebten.
Waka war die Hauptstadt eines eigenen Stadtstaates und ein Königssitz: In den letzten Jahren haben Archäologen bereits sechs Königsgräber und Relikte von rituellen Opferungen aus der Zeit vom 5. bis 7. Jahrhundert entdeckt. Die Herrscher von Waka waren den historischen Überlieferungen nach während der Frühklassik zunächst mit Tikal verbündet, liefen dann aber zu dessen Erzrivalen Calakmul über.
Grab mit reichen Beigaben und königlicher Jademaske
Jetzt haben Archäologen aus den USA und Guatemala bei Ausgrabungen unterhalb des alten Königspalasts in Waka erneut ein Maya-Grab entdeckt. In ihm lagen die Überreste eines Mannes im Mittleren Alter, umgeben von reichen Grabbeigaben. Neben 22 Keramikschalen und Muschelschalen war der Tote mit Jadeornamenten geschmückt und trug einen aus einer Austernschale geschnitzten Anhänger in Krokodilsform, wie die Forscher berichten.
Eine Besonderheit ist eine Jademaske, die die Archäologen unter dem Kopf des Toten fanden. Die rot bemalte Maske zeigt das Gesicht des Mannes mit dem stilisierten Haarschmuck des Maisgottes er Maya. Auf der Stirn trägt er zudem ein Symbol, das in der Mayasprache “Gelb” und “wertvoll” bedeutet – und ebenfalls auf den Maisgott verweist. Wie die Archäologen erklären, ist diese Darstellung als Personifizierung des Maisgotts typisch für Mayakönige.
Ihrer Ansicht nach muss es sich daher bei dem Toten um einen Mayakönig handeln. “Die Maya der klassischen Periode verehrten ihre göttlichen Herrscher und behandelten sie nach ihrem Tode als lebende Seelen”, erklärt David Freidel von der Washington University in St. Louis, einer der Projektleiter.
Ältestes Königsgrab der Region
Vorläufige Datierungen anhand von Keramikanalysen deuten darauf hin, dass dieses Grab bereits aus der Zeit zwischen 300 und 350 nach Christus stammen könnte. Es ist damit das älteste bisher bekannte Königsgrab der Maya in dieser Region Guatemalas, wie die Forscher berichten. Zwar wurden im Grab keine Inschriften gefunden, die die Identität des Toten verraten. Freidel und seine Kollegen vermuten jedoch, dass es sich um den König Te Chan Ahk handeln könnte, einen aus König der Wak-Dynastie, der im 4. Jahrhundert in Waka regierte.





