Solch ein Gürtel war etwas Besonderes
Die englische Stadt Leicester hat eine lange Geschichte wechselnder Besiedlung hinter sich. Vor rund 1600 Jahren, in spätrömischer Zeit, lag hier die römische Stadt Ratae Corieltauvorum. Sie lag strategisch günstig an der Stelle, an der die wichtige Römerstraße zwischen den Garnisonen von Exeter und Lincoln den Fluss Soar kreuzte. Bei Ausgrabungen in der alten Römerstadt haben Archäologen der University of Leicester bereits alte Dämme, Mosaikböden, Säulen und die Reste eines römischen Bades entdeckt.
Jetzt haben die Forscher in einem spätrömischen Friedhof des alten Ratae Corieltauvorum einen unerwartet seltenen Fund gemacht. Unter den 83 römischen Skeletten, die die Archäologen aus den antiken Gräbern bargen, erwies sich eines als ungewöhnlich. Denn in ihm lag ein Mann in mittlerem Alter, der einen reichverzierten Gürtel um den Leib trug – einen Gürtel, wie er nach Angaben der Forscher in spätrömischer Zeit typischerweise von hochrangigen Offizieren oder höheren Beamten getragen wurde.
Wie Nick Cooper von der University of Leicester und seine Kollegen berichten, sind ähnliche Prunkgürtel aus römischen Garnisonen im Nordosten Frankreichs, aus Belgien und der Rhein- und Donaugegend bekannt. Abbildungen aus antiker Zeit sprechen dafür, dass diese Gürtel damals vermutlich wichtige Symbole der Autorität waren. Die Entdeckung eines solchen Gürtels in England und in Leicester sei eine echte Rarität, sagen die Archäologen.
Delfinköpfe, kauernde Hunde und Spiralen
Von dem in Leicester entdeckten Gürtel ist das Leder nicht mehr erhalten, wohl aber die aus Bronze bestehenden Metallteile, darunter eine verzierte Gürtelplatte mit eingelassener Verschlussschnalle und ein verziertes Gürtelende. Die Gürtelschnalle ist mit Delfinköpfen geschmückt, das einst am Ende des Ledergürtels sitzende Metallteil zeigt beiderseits je einen kauernden Hund.
Die Bronzeplatte um die Gürtelschnalle herum trägt dagegen eher abstrakte Muster, wie Cooper berichtet: “Sie ist mit ineinander verschlungenen Spiralen verziert und war zu Lebzeiten des Mannes auf einem breiten Ledergürtel befestigt. Ein innerer, dünnerer Lederstreifen lief durch die Schnalle”, so der Archäologe. “Der Erhaltungszustand der dünnen, fragilen Bronze-Gürtelplatte ist bemerkenswert.”
Spuren des harten Soldatenlebens
Die nähere Untersuchung des Skeletts lieferte den Forschern mehr Informationen zum Träger dieses Gürtels: Ihren Schätzungen nach war er zum Zeitpunkt seines Todes zwischen 35 und 45 Jahre alt. Ein verheilter Bruch in seinem linken Unterarm entspricht einer typischen Abwehrverletzung: Der Mann zog ihn sich wahrscheinlich zu, als er seinen Arm hob, um einen Schlag abzuwehren, wie die Archäologen erklären.





