Die Nekropole von Sakkara liegt rund 20 Kilometer südlich von Kairo am westlichen Nilufer. Diese Totenstadt gehört zu den größten und am längsten genutzten des alten Ägypten: Schon vor rund 5000 Jahren wurden hier hochrangige Tote in speziellen Grabbauten, den sogenannten Mastabas, bestattet. Diese aus Kalksteinen und Lehmziegeln konstruierten Grabmäler ähneln einer Pyramide ohne Spitze. Später wurden in Sakkara auch Pyramiden als Ruhestätte für mehrere Pharaonen erbaut, darunter Haremhab, Djoser oder Pepi II.

Grabfund im Südteil der Totenstadt
Seit einigen Jahren führt ein französisch-schweizerisches Archäologenteam um Philippe Collombert von der Universität Genf Ausgrabungen im Südteil der Nekropole von Sakkara durch. In diesem Teil der Totenstadt liegen größtenteils jüngere Grabmäler, aber auch einige Königspyramiden, darunter die Grabpyramide von Pepi II., dem 2180 vor Christus gestorbenen letzten Pharao der sechsten Dynastie und des Alten Reichs. In der Grabungssaison 2024 sind die Archäologen in der Nähe der Mastaba von Ouni, einem Wesir unter Pharao Pepi I., auf ein weiteres Grab gestoßen. Dieses stammt aus der Zeit vor rund 4100 Jahren, kurz nach Ende des Alten Reichs, wie das Team berichtet.
“Das Grab schien oberflächlich betrachtet ziemlich gewöhnlich zu sein. Mehrere Gräber dieser Art wurden von bereits in der Nekropole entdeckt, darunter eines in diesem Sektor”, erklären die Archäologen. Doch im Verlauf der Ausgrabungen erwies sich das neu entdeckte Grab als Besonderheit. “Sobald wir begonnen hatten, den Bereich über dem Schacht des Grabmals freizulegen, entdeckten wir eine wunderschöne Scheintür-Stele mit dem Namen eines Arztes namens Teti Neb Fu”, berichtet das Team in seinem Blog. Kurz darauf zeigte sich ein massiver, mit großen, klaren Hieroglyphen verzierter Türsturz. Auch diese wiederholten Namen und Titel von Teti Neb Fu.
Heilkundiger mit hoher Stellung am Pharaonenhof
Die Inschriften im neuentdeckten Grab deuten auf eine hochrangige Stellung des altägyptischen Heilkundigen hin: Teti Neb Fu wird unter anderem als offizieller Palastarzt sowie als Priester der Göttin Serket bezeichnet. Diese galt als Herrin der Skorpione und als Beschützerin vor Skorpionstichen. Der Arzt Teti Neb Fu könnte demnach Spezialist für Gifte und Gegengifte gewesen sein, wie die Archäologen erklären. In anderen Hieroglyphen wird der Heilkundige als “Direktor der Heilpflanzen” beschrieben – ein Titel, der laut Collombert bisher erst einmal in altägyptischen Fundstätten entdeckt wurde. Außerdem war der Arzt den Inschriften zufolge der “Chef-Zahnarzt” Ägyptens.





