Ein Turk-Reich in der asiatischen Steppe
In der Zeit von 552 bis 744 existierte in der Steppe Zentralasiens das Reich der sogenannten Gök-Türken. Dieses vereinte zu den Turkvölkern gehörende Nomadenstämme, aber auch Nomaden anderer Sprachgruppen zu einem Verbund. Kontrolliert und beherrscht wurde dieser Verbund von einer ursprünglich im Altai und Ost-Turkestan ansässigen Gruppe von Turk-Nomaden.
Zur Zeit seiner größten Ausdehnung erstreckte sich das Reich der Gök-Türken von der Grenze Chinas bis zum Kaspischen Meer. Neben chinesischen Aufzeichnungen zeugen Funde von Gräbern und Steinstelen mit alttürkischen Runen, auch als Orchon-Runen bekannt, von der Geschichte dieses Reiches. So ist bekannt, dass das erste Reich der Gök-Türken erst durch innere Unruhen destabilisiert und dann durch die Chinesen erobert wurde. 682 etablierte sich jedoch ein zweites Gök-Türken-Reich, dass später von den Uiguren zerschlagen wurde.
Steinmonument und Runen
Jetzt hat ein Team von japanischen und mongolischen Archäologen im Osten der Mongolei ein zuvor unbekanntes Steinmonument der Gök-Türken entdeckt. Es besteht aus einem Grabhügel mit Steinsarkophag, der von 14 aufrechten im Quadrat angeordneten Steinsäulen umgeben ist. In die Steinsäulen sind hunderte von Turk-Runen eingraviert. Dies sei ein einzigartiger Fund, heißt es in einer Mitteilung des Ausgrabungsteams. Denn die bisher dort entdeckten Inschriften sind der bisher umfangreichste Fund von Turk-Runen in der Mongolei.
Wie eine Radiokarbondatierung von Kohlestücken, Schafsfellen und Pferdeknochen aus dem Sarkophag ergab, stammt dieses Monument aus dem 8. Jahrhundert. Es entstand damit während des zweiten Reichs der Gök-Türken, wie die Wissenschaftler berichten. Aus der Art der Anlage und den Grabbeigaben schließen sie, dass hier ein hochrangiger Angehöriger der Gök-Türk-Elite begraben wurde.
Grab eines Vizekönigs
Das Besondere daran: Bisher gingen Archäologen und Historiker davon aus, dass die Fürsten und Anführer der Gök-Türken vorwiegend westlich der mongolischen Hauptstadt Ulan-Bator lebten und auch begraben wurden. Der Fund dieses Grabmals sehr viel weiter östlich werfe daher ein ganz neues Licht auf die Machtverhältnisse im Reich der Gök-Türken.
Takashi Osawa von der Universität Osaka hat inzwischen einen Teil der Runeninschriften entziffert – und nähere Hinweise auf den an diesem Ort begrabenen Toten erhalten. Demnach handelt es sich um einen Vizekönig des Khagans Bilge-Kül, der von 716 bis 734 über das Zweite Reich der Gök-Türken regierte. Unter dem Nachfolger von Bilge-Kül bekleidete der Mann dann den Rang eines Tölis-Shad – eines obersten Befehlshabers, wie Osawa berichtet.





