In 25 Kapiteln bringt Gens auch seine persönliche Geschichte Kölns ein: Nach einem kurzen Abriss der Stadtgeschichte beginnt er mit seiner Kindheit im zerbombten Severinsviertel. Hier kam er bei den Ausgrabungen eines römischen Gräberfeldes erstmals mit Archäologie und deren wissenschaftlichen Aufarbeitung in Berührung. Als er in den 1960er Jahren dem Vater bei Hausbauarbeiten helfen sollte, stießen sein Bruder und er in einem Brunnenschacht im Keller auf die ersten Quader des monumentalen Grabbaus – ein Schlüsselerlebnis. Nachdem das Römisch-Germanische Museum Köln ein „Grabungsverbot wegen Gefährdung der Bausubstanz“ an die jungen Abenteurer ausgesprochen hatte, dann jedoch selbst die Ausgrabungen nicht voranbrachte, begannen die Brüder Gens gemeinsam mit Freunden die Bergung der Funde. Ein gefährliches Unterfangen, das heute unglaubwürdig klingen mag: Die Jungen eigneten sich das nötige Fachwissen an, sammelten Ideen in Filmen und begannen mit einem Tunnelbau. Die Eltern merkten zunächst nichts von dem Projekt und blieben im Glauben eines Partykellerbaus. Als sich die Ausmaße der Entdeckung abzeichneten, richtete die Familie ein Privatmuseum am Fundort ein, welches bis 1970 etwa 13 000 Besucher anlockte. Schließlich folgte der Verkauf an das Römisch-Germanische-Museum, das eigens für das Grabmal die Bauentwürfe für das neue Museum umändern musste. Dort aufgestellt, endet noch lange nicht die Geschichte des Poblicius und seines Entdeckers Gens: In Vorbereitung zur Veröffentlichung seines Buchs erwuchs in den letzten Jahren eine erneute Zusammenarbeit mit dem Kölner Museum, die es Gens ermöglichte, nach weiteren Puzzlestücken zu suchen: In Archiven und Depots forschte er nach ergänzenden Bauteilen, die die Rekonstruktion des Grabmals voranbringen sollten. Sein Fazit, dass die heutige Aufstellung im Museum fehlerhaft sei, ist jedoch weniger wissenschaftlich: Er argumentiert lediglich aus dem Bestand des Denkmals heraus, Vergleiche werden nicht herangezogen.
Gens gelingt es, anregend die Fundgeschichte zu erzählen und sie in seine persönliche Lebensgeschichte einzubetten. Zwar erschweren an einigen Stellen detaillierte Beschreibungen der Fundstücke den Lesefluss, insgesamt weiß er aber mit seiner Geschichte zu fesseln. Der wissenschaftliche Wert der verbotenen Grabungstätigkeit liegt in Gens‘ sorgfältiger Dokumentation, die in ihrer vollen Ergiebigkeit in Vergessenheit geraten war. Als fachlicher Beitrag taugt das Buch in seiner Gesamtheit jedoch weniger: So konnte beispielsweise die Forschung der letzten Jahre überzeugend die heutige Aufstellung des Poblicius-Denkmals begründen.
Rezension: Sabrina Tatz





