Erst Ausgrabungen in Boghazköy und in Alaca Hüyük in den Jahren 1906 und 1907 schufen die Voraussetzung dafür, die Architektur und die Bildkunst Anatoliens mit den Hethitern in Verbindung zu bringen. In Nordsyrien gefundene Bildwerke hatte man schon Ende des 19. Jahrhunderts als “hethitisch” angesehen. Dies bestätigte sich, als man begann, den Zusammenhang der nordsyrischen mit den anatolischen Monumenten zu verstehen: In ersteren erkannte man eine jüngere Entwicklungsstufe hethitischer Kunst, die heute meist als “späthethitisch” bezeichnet wird; sie stammen aus einer Zeit, in der der Großkönig der Hethiter auch über weite Teile Nordsyriens herrschte.
Die Bauten der Hauptstadt Hattusa wurden durch eine Jahrzehnte andauernde Ausgrabungstätigkeit weitgehend erschlossen (siehe DAMALS 2/97). Mächtige Befestigungsmauern mit zahlreichen Stadttoren umschließen das Stadtgebiet, das sich durch seinen bergigen Charakter von anderen altorientalischen Städten unterscheidet. Die Königsburg Büyükkale, durch ihre Lage auf einer Felskuppe und durch ein eigenes Mauersystem geschützt, war die Residenz der Großkönige und Sitz der zentralen Verwaltung. Der Palast bestand aus mehreren Höfen, die teilweise von Pfeilerhallen umgeben waren und um die sich die einzelnen Gebäude gruppierten. Da fast überall nur die Fundamente erhalten geblieben sind, konnte die Funktion der Bauten nur teilweise erschlossen werden. Große Bedeutung hatten offenbar mehrere im Stadtgebiet mit Hilfe künstlicher Dämme angelegte Teiche. Einer der Dämme überdeckte zwei aus Steinblöcken errichtete Kammern. In einer fand sich außer zwei Reliefplatten eine längere Inschrift Suppiluliumas II., in welcher der Bau als “göttlicher Steinpfad in den Untergrund” bezeichnet wird; die Anlage kann also mit dem Totenkult in Verbindung gebracht werden. Ausgrabungen bei dem Dorf Kughakl?, die seit etwa einem Jahrzehnt durchgeführt werden, haben gezeigt, daß die Provinzstadt Sarissa ganz ähnliche Befestigungsanlagen aufweist, wie sie aus der Hauptstadt bekannt sind. Von den beiden im Stadtgebiet ausgegrabenen Tempeln übertrifft eines in seinen Abmessungen alle bisher bekannten hethitischen Kultbauten. Ein Innenhof von 34 auf 43 Meter Größe wurde auf zwei Seiten von Pfeilerhallen gerahmt. Die beiden streng symmetrisch aufgebauten Haupteingänge bestanden aus einer Torkammer mit seitlich angefügten Wächterstuben, der innen und außen Pfeilerhallen vorgelagert waren. In dem wegen der Hanglage mehrgeschossig angelegten Südflügel lag nahe der Südecke der Hauptkultraum. Er konnte von der Pfeilerhalle auf der Südostseite des Hofes aus über einen oder mehrere Vorräume betreten werden.
Etwa 800 Meter südlich von Hattusa wurde eine zerklüftete Felsenkuppe zu dem heute Yazilikaya genannten Felsheiligtum ausgebaut. Der größeren der beiden Felskammern ist ein Bauwerk vorgelagert, das die Grundelemente eines hethitischen Tempels wiederholt, wobei die mit Reliefs ausgeschmückte Felsenkammer an die Stelle des Kultraums tritt. Von ihr aus gelangt man durch einen schmalen Gang zwischen den Felsen in die zweite Kammer, die ebenfalls ein wichtiger Kultplatz war; hier stand wohl ein Kultbild. Auch war eine Königsinschrift mit dem Namen des Herrschers Tuthaliya angebracht; dies hat zu der Vermutung Anlaß gegeben, daß auch das Kultbild diesen Herrscher darstellte und die Kammer ein Ort für den Totenkult war…





