Die Ausstellung zeigt Gründerzeitküchenschränke aus dem 19. Jahrhundert, lippische “Wertmöbel” aus massivem Nussbaum, die erste Einbauküche der Firma Poggenpohl “Form 1000”, einen Schrank aus der Zeit des Gelsenkirchener Barocks, die Schlafzimmermode der 1970er Jahre und das bekannte Designsofa “Conseta” der Firma COR aus Rheda-Wiedenbrück, dass seit über 50 Jahren hergestellt wird. 16 Figurinen mit Kleidern der jeweiligen Zeit verdeutlichen den Modegeschmack der Bevölkerung in Westfalen.
Massenproduktion im 19. Jahrhundert
Die zunehmende Verstädterung und die steigenden Einkommen veränderten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Einrichtungsgewohnheiten der Menschen. Um diesen neuen Bedarf in den Ballungsräumen zu decken, erweiterten viele Tischlereien in der Region Ostwestfalen-Lippe ihre Produktionsstätten und gingen schließlich zu Serienfertigung von Möbeln in arbeitsteiliger Herstellung über. Diese Entwicklung erforderte maschinelle Neuheiten, wie etwa Band- und Kreissägen, die ebenfalls in der Region produziert wurden.
Die erste industriell fertigende Möbelfabrik war die 1861 gegründete Möbelfabrik Kopka in Herford. Die Kunden Kopkas waren die Arbeiter in der aufstrebenden Industrie des Ruhrgebiets, sie besaßen Anfang des 19. Jahrhunderts erstmals genügend Kapital, um auch in die Anschaffung von Möbeln zu investieren. Meist waren es Wohnküchenschränke, Schlafzimmermöbel und einfache Sofas, die sie von den Herstellern aus Ostwestfalen erwarben.
Nach den Worten von Willi Kulke, Leiter des LWL-Ziegeleimuseums Lage, war die Geschichte der Möbelindustrie immer von konjunkturellen Schwankungen geprägt: “Dem Boom der Gründerzeit Ende des 19. Jahrhunderts folgten die Wirtschaftskrisen in den 1920/30er Jahren. Im Zweiten Weltkrieg produzierten viele westfälische Möbelherstellerfür die Wehrmacht Kasernenmobiliar, Krankenbetten und Munitionskisten. In dieser Zeit wurden in den Firmen auch viele Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene beschäftigt.”
Boom im Wirtschaftswunder
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Hochphase der einheimischen Möbelindustrie. Der rasche Wiederaufbau der zerstörten Städte und die notwendige Anschaffung von preiswerten Möbeln für die neue Wohnung sorgte bis Anfang der 1970er-Jahre für einen scheinbar nicht enden wollenden wirtschaftlichen Aufschwung. “Einbauküche, Cocktailsessel und das schicke Schlafzimmer für die Eltern und ein modern eingerichtetes Kinderzimmer gehörten in fast jeden Haushalt”, so der LWL-Museumsleiter.
Anfang der 1970er Jahre beendete die erste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit diese Goldgräberzeit der Möbelindustrie. Viele Firmen begannen Teile ihrer Produktion nach Osteuropa auszugliedern. Seit dieser Zeit mussten viele renommierte Firmen die Produktion einstellen, weil sie der wachsenden Konkurrenz aus Polen oder Tschechien nicht mehr gewachsenen waren. Fehlende Investitionen und veraltete Produktionsstätten bedeuteten das Ende dieser meist von Familien geführten Unternehmen.





