Archäologische Untersuchungen zeigen, dass schon vor gut tausend Jahren Menschen in der Atacamawüste lebten. Davon zeugen unter anderem große Mengen an gut erhaltenen Pflanzenresten aus jener Zeit, darunter Mais, Bohnen, Quinoa und andere domestizierten Pflanzen. “Ihre Häufigkeit und Vielfalt spricht für einen landwirtschaftlichen Erfolg, der angesichts der trockenen, kargen Umgebung nur schwer erklärbar ist”, sagen Francisca Santana-Sagredo von der Katholische Pontifikal-Universität Chiles in Santiago und ihre Kollegen.
Sprung in den Stickstoffwerten
Wie aber schafften es diese Menschen damals, in einer so kargen Umgebung Landwirtschaft zu betreiben und genügend zu ernten, um größere Siedlungen zu unterhalten? Um das herauszufinden, haben Santana-Sagredo und ihr Team 246 Pflanzenproben aus der Zeit von 1000 bis 1450 auf ihre Isotopenzusammensetzung hin untersucht. Die Anteile der verschiedenen Isotope von Kohlenstoff und Stickstoff geben Aufschluss darüber, wie gut diese Pflanzen mit organischen Nährstoffen versorgt waren. Die Pflanzenreste stammten aus der Atacamawüste im Norden Chiles und waren dort einst von Menschen aus Vorgängerkulturen der Inkas angebaut worden. Zu diesen Nutzpflanzen gehörten unter anderem Mais, Quinoa, Bohnen, Limabohnen, Kürbisse und Chili.
Die Analysen enthüllten eine deutliche zeitliche Entwicklung: Während sich die Nutzpflanzen aus der Zeit vor 1000 in ihren Isotopenwerten nur wenig von wildwachsenden Vergleichspflanzen unterschieden, gab es ab dem Jahr 1000 einen Sprung. Dieser deutet darauf hin, dass die Stickstoffversorgung der angebauten Pflanzen in dieser Zeit stark anstieg. “Das Ausmaß dieser Stickstoff-Anreicherung kann nicht durch Standardeinflüsse wie weniger Regen oder konventionelle Bodenbearbeitungsmethoden erklärt werden”, sagen Santana-Sagredo und ihre Kollegen. Ergänzende Analysen von menschlichen und tierischen Skeletten aus dieser Zeit belegen zudem, dass diese erhöhten Stickstoffwerte kein Zufall waren, sondern sich auch in der Ernährung der Menschen dieser Region widerspiegeln.
Früher Import von Guano
Nach Ansicht der Wissenschaftler sprechen diese Ergebnisse dafür, dass die Menschen dieser Prä-Inka-Kulturen schon vor gut 1000 Jahren bewusst stickstoffreichen Dünger auf ihren Wüstenfeldern ausgebracht haben müssen. Was aber war dies für ein Dünger? Und woher kam er? Wie die Forscher erklären, ist die wahrscheinlichste Quelle für ein organisches, stickstoffreiches Material die Meeresküste. Denn dort gab es schon damals einen reichen Bestand an Meeresvögeln, die teilweise in Kolonien an der Küste und auf Inseln nisteten – und entsprechend viel Guano produzierten. Aus der Zeit der spanischen Eroberung gibt es Berichte darüber, dass die Inkas diesen Guano in großem Stil sammelten und als Dünger nutzten.





