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Hadern mit dem „schönen Geschlecht“
Für Frauen brachten die geistigen Errungenschaften der Aufklärung wenig Vorteile. Im Gegenteil: Erkenntnisse der Biologie wurden von den Aufklärern dahingehend interpretiert, dass die natürlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau eine Gleichberechtigung ausschlossen.
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Auf die Frage „Was ist Aufklärung?“ antwortete Immanuel Kant 1784 in dem gleichnamigen Aufsatz, sie sei „der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“, doch gelte das den meisten für ein „verdrießliches Geschäft“. So halte „der bei weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit“ für beschwerlich und sogar gefährlich.
Die Frauen hielt Kant also aus Bequemlichkeit für unmündig, schon weil sie als gefühlsbetont, geschmacksorientiert und weniger rational als Männer galten. Die allermeisten Menschen stimmten damals dieser Ansicht zu. In erster Linie waren die zeitgenössischen Frauen jedoch rechtlich unmündig, das heißt sie waren von Männern (Vater, Bruder, Ehemann) abhängig – und das ihr Leben lang. Überall in Europa war das so und darum selbstverständlich, auch für die Frauen. Für die allermeisten jedenfalls.
Wer die Aufklärung für ein im 18. Jahrhundert beginnendes und bis heute unvollendetes Projekt hält, tut sich schwer, dies zu verstehen. Die spätere feministische Kritik warf den Aufklärern darum einerseits die verweigerte Gleichberechtigung und andererseits das vorenthaltene Recht auf Andersartigkeit vor.
Wie kam es ausgerechnet zu einer Zeit, die sich für überlegen, weil fortschrittlich und eben aufgeklärt hielt, dazu, dass die Frauen nicht nur faktisch zurückgesetzt wurden, sondern auf theoretischer Ebene sogar ihr Minderstatus mit neuen Argumenten festgeschrieben wurde?
Zwar wurde die Frage, „ob die Weiber Menschen sind“, 1747 im „Zedler“, dem „Großen vollständigen Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste“ von Johann Heinrich Zedler (1706–1751), als „alberne Meinung“ eines Bischofs aus dem 6. Jahrhundert abgetan – 1722 war das Buch mit diesem Titel wohl zum letzten Mal aufgelegt worden. Die „querelle des sexes“, die Debatte, in der es um Würde und Wert des „anderen Geschlechts“ ging, prägte jedoch auch noch das gesamte 18. Jahrhundert.
Die Rolle der Frau wird auf die Fortpflanzung reduziert
Doch der Reihe nach. Ziehen wir zunächst wieder das Lexikon zu Rate, denn damals wie heute geben Nachschlagewerke den allgemeinen Kenntnisstand am verlässlichsten wieder. Der bereits genannte „Zedler“ stellte 1747 im Artikel „Weib“ gleich zu Eingang fest, es handle sich um eine verheiratete Person, die „dem männlichen [Geschlecht] entgegengesetzt und von Gott gewidmet ist, Kinder zu empfangen, zu tragen, zu gebären, zu säugen, zu warten, dem Hauswesen vorzustehen, da der Mann mit andern Dingen außerhalb beladen und beschäftigt ist“.
Frauen waren also in allererster Linie da, Kinder in die Welt zu setzen. Alles andere war dem untergeordnet, und von Unverheirateten war in den Lexika allenfalls am Rand die Rede, denn die alleinstehende, unabhängige Frau hatte, sofern sie keine Nonne war, damals einen schwierigen Status.
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In Mitteleuropa starb um 1770 die Hälfte eines Jahrgangs vor dem 20. Geburtstag. Somit mussten von den überlebenden Mädchen rund 85 Prozent heiraten und mindestens vier bis fünf Kinder zur Welt bringen, damit die Bevölkerung nicht schrumpfte. Für die meisten war also Frau- und Muttersein dasselbe, sozusagen eine gesellschaftliche Pflicht.
Nur die Oberschichten konnten sich eine höhere Geburtenrate und gleichzeitig eine größere Anzahl unverheirateter Familienmitglieder leisten. Am unteren Ende der Gesellschaftspyramide befreiten sich mit dem Aufschwung der Hausindustrie in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts dagegen viele junge Leute vom hergebrachten Heiratsmuster und schlossen Ehen, die in den Augen der meinungsbildenden Öffentlichkeit vielfach skandalös waren. Auch hier sah man die Frauen in der Verantwortung: Sie sollten wirtschaftlich nicht abgesicherte und somit gesellschaftlich nicht gewollte Vermehrung durch Keuschheit verhindern.
In der Unterschicht haben Frauen eine größere Bedeutung
Einen drastischen Beleg dafür lieferte 1786 der Bielefelder Pfarrer Johann Moritz Schwager (1738 –1804) mit seinem Bericht über die in seinen Augen skandalösen Praktiken junger westfälischer Tagelöhner: „Unter dieser Klasse von Menschen ist das männliche Geschlecht das spröde und das weibliche geht auf die Freite.“ Das „gemeine Mädchen“ verführe den jungen Burschen in der Hoffnung, in ihm einen Ernährer zu finden. „Ungehört habe ich oft Unterredungen zwischen jungen Leuten zugehört, die auf Tahiti oder Kamtschatka nicht garstiger sein können, und die Unverschämtheit geiler Landmädchen mag [nur noch] von Bordellhuren übertroffen werden.“
Tatsächlich nahm die deutsche Bevölkerung bis um 1800 erheblich zu, und zwar vornehmlich in den Unterschichten. Frauen spielten bei den „kleinen Leuten“ eine konstitutive Rolle für das Auskommen. Sie waren eben nicht nur Mütter, sondern trugen als Straßenhändlerinnen, Marktfrauen, Wäscherinnen, Näherinnen und – sofern unverheiratet – als Bedienstete zum Familieneinkommen bei.
Bei den Bäuerinnen und Handwerkerfrauen war das ohnehin von jeher Brauch gewesen. Und auch in den Manufakturen waren Frauen zu finden, im Textilgewerbe sowieso. Mochten sie rechtlich ebenso unmündig sein wie die Damen aus besseren Kreisen, so hatten sie nördlich der Alpen im täglichen Leben viel größere Freiheiten. Mit den Thesen der Aufklärung hatte das nichts zu tun, sondern mit ihrer Rolle innerhalb der Familie.
Es waren diese Frauen, die 1788 und 1789 den französischen König zum Handeln zwangen und die auch in anderen Gegenden Europas erheblichen Anteil an Protesten und Unruhen trugen. In Paris wurden einige dabei zu politischen Aktivistinnen und unterstützten 1792/93 die wirtschaftlichen Vorstellungen der Jakobiner von sicherer Versorgung zu angemessenen Preisen.
Die poissards (Fischweiber) und tricoteuses (Strickerinnen) waren sprachlich und bildlich das Gegenstück zu den Sansculotten, den männlichen Revolutionären. Über einem kurz nach 1800 entstandenen Bild des Zugs der Fischweiber nach Versailles am 5./6. Oktober 1789 findet sich folgender handschriftliche Zusatz: „Gib Himmel, gib, daß jede Bürgerin frei / Und jeder Bürger ohne Hosen sei.“ Die „ohne Hosen“ waren natürlich die Sansculotten, die anstatt der Kniehosen (culottes) der gehobenen Kreise und des Adels lange Hosen trugen. Spätestens jetzt war die „querelle des sexes“ auch bei den „kleinen Leuten“ angekommen.
Die frühneuzeitliche Gesellschaft war bekanntlich eine ständische, und dieses Merkmal durchzog alle Bereiche, bei denen Menschen im Spiel waren. Handbücher und Lexika beschrieben beim Verhältnis von Mann und Frau darum kaum Charaktereigenschaften, Umgangsformen, Ausbildung oder Interessen, sondern den Status, das heißt die Rechte und Pflichten beider. Dort ist deshalb von „Hausfrau“ bzw. „Hausmutter“ oder „Hausvater“ die Rede.
Im nun schon mehrfach angeführten „Zedler“ hieß es denn auch 1735: „Frau oder Weib ist eine verehelichte Person, so ihres Mannes Willen und Befehl unterworfen, die Haushaltung führet, und in selbiger ihrem Gesinde vorgesetzt ist.“ Diese Statusunterschiede galten als gottgegeben.
Ein ganz anderes Bild zeichneten damals in Deutschland und bei seinen westlichen Nachbarn die moralischen Wochenschriften (siehe Artikel “Teilhabe mit der Feder”). Statusfragen übergingen sie mit Schweigen, war es ihnen doch um die Frau als Person zu tun. Anfangs galt diese bei ihnen als vernunftbegabt, also aufgeklärt und dem Mann ebenbürtig.
„Schöne Weiblichkeit“ und „schwaches Geschlecht“
Seit Mitte des 18. Jahrhunderts fanden nun aber auch dort die Unterschiede mehr Beachtung, aber natürlich nicht im traditionellen Sinn. Sondern hier rückte das Bild der „schönen Weiblichkeit“ und des „schwachen Geschlechts“ ins Zentrum. Das Rollenmuster der Frau als Gattin, Hausfrau und Mutter – diese uns noch immer vertraute Dreiheit stammt aus Jean-Jacques Rousseaus Erziehungsroman „Émile“ (1762) – gewann an Attraktivität.
Dieses Muster wurde nun auch von dem sich rasch ausbreitenden Genre des Empfindsamkeit – der Begriff verdankt Gotthold Ephraim Lessing seine Schlagkraft – verströmenden Romans propagiert. Neben den vielen männlichen Vertretern dieser literarischen Richtung, zu denen auch Goethe mit seinem „Werther“ (1774) zählt, dürfen die Autorinnen nicht vergessen werden, die in der zweiten Jahrhunderthälfte die Öffentlichkeit suchten und das neue Ideal nicht minder erfolgreich verbreiteten, oft freilich anonym: etwa Jane Austen, Marie-Jeanne Riccoboni, Sophie von La Roche und Therese Huber (siehe Artikel “Teilhabe mit der Feder”).
Empfindsamkeit ersetzte so die Vernunft als maßstabsetzenden Wert. Dieser Wandel im Zeitgeschmack – wohlgemerkt auf dem Höhepunkt der Aufklärung – fiel nicht vom Himmel: Literarisch hatte man einfach die „vernünftelnden“ Diskurse satt, aber wichtiger waren der Wandel der Lebensbedingungen bei den meinungsbildenden Schichten und der wissenschaftliche Fortschritt.
Für das gebildete Publikum war die seit Jahrhunderten vorherrschende Existenzform des „Ganzen Hauses“, in dem Wohnen und Arbeiten eine Einheit bildeten und das zwingend stark hierarchisch verfasst war, bedeutungslos geworden. Den Lebensunterhalt sicherte nun der öffentlich sichtbar bleibende Mann, während das davon nun mehr oder minder streng geschiedene Privatleben der Dame des Hauses anvertraut war.
Es war wohl unvermeidlich, dass der neue Lebensstil der upper middle class, der Notabeln und der höheren Stände im Alltag die Unterschiede der Geschlechter stärker hervortreten ließ als bisher und als bei den „kleinen Leuten“. Dem „Krünitz“, einem von Johann Georg Krünitz (1728 –1796) herausgegebenen, weiteren großen Lexikon der Aufklärungszeit, entging das nicht, und so las man 1778: „Bei dem gemeinen Mann ist die Frau die Gefährtin seiner Arbeiten; in einem höhern Stande ist das Frauenzimmer der Abgott der Männer, den sie bloß anbeten und verehren.“
Noch schärfer wird etwas weiter unten formuliert: Die hochgestellten „Mannspersonen“ sind „wahre unumschränkte Herren …, welche befehlen, und das Frauenzimmer findet alle Zugänge zur Herrschaft verschlossen. Durch ihre Schwachheit sind ihre Anbeter ihre Tyrannen geworden, und sie sind wirklich ihre Sklavinnen, indem sie Königinnen der Welt heißen.“
Zur Erinnerung: Rechtlich hatte sich nichts geändert, umso mehr der Diskurs. Im pädagogischen Schrifttum findet man dazu den reichsten Niederschlag. Dort ist das neue weibliche Tugendideal ganz auf Unterordnung, Sanftheit, Zucht und Zurückhaltung ausgerichtet. Die in Nürnberg erscheinende Zeitschrift „Der Zufriedene“ gab 1763 ihren Leserinnen hierzu 50 Regeln; die achte lautet: „Lesen Sie keine Romane“, die 25.: „Lachen Sie nicht aus vollem Halse; für Frauenspersonen kann nichts unanständiger sein.“
Die wissenschaftliche Begründung für die emphatische Betonung der Unterschiede zwischen beiden Geschlechtern lieferte die Biologie. Sie begann die hergebrachten mechanistischen Auffassungen von Gott, Welt und Mensch durch die Idee einer Selbstorganisation organischer Substanzen und neue Erkenntnisse der Anatomie zu ersetzen. Es war also die Natur selbst, die eine Gleichheit der Geschlechter verbot.
Nicht alle Frauen ordnen sich den gängigen Idealen unter
Die philosophische Anthropologie entwickelte daraus das Konzept des Geschlechtscharakters: Beide Geschlechter sind wesensmäßig verschieden, ergänzen sich aber gegenseitig und verhelfen so bei hinreichender Einsicht beider der Menschheit zum Idealzustand. Kant und Wilhelm von Humboldt entwickelten ganz am Ende des Jahrhunderts dazu ihre Theorien.
Die allermeisten (belesenen) Frauen stimmten dieser Sicht auf ihr Geschlecht zu. Das neue Medium, die (meist von Männern geschriebenen) Frauenzeitschriften, bestärkte sie darin. Es gab Widerspruch, aber erst im Revolutionszeitalter richtete sich dieser gegen die Rechtslage und wurde politisch. Bis dahin konzentrierten sich die (durchweg wenigen) kritischen Frauen auf die näher liegenden Themen Ehe und Bildung.
Am frühesten war das in London der Fall, wo nach der „Glorreichen Revolution“ 1688/89 und dank der stürmischen wirtschaftlichen Entwicklung viele Traditionen ins Wanken gerieten. Hier gab es schon länger unverheiratete Autorinnen, die die Zurücksetzung der Frauen – sie sprachen vom „matrimonial yoke“ („Joch der Ehe“) − beklagten. In deren Fußstapfen trat Mary Astell (1666 –1731). Sie war dank der Förderung durch einen Onkel sehr gebildet und kam nach ihrem Umzug nach London mit – heute würde man sagen emanzipierten – adligen Damen in Kontakt.
Mit Hilfe ihrer Freundinnen gründete Astell 1709 eine Mädchenschule, damit Frauen den Männern nicht länger geistig unterlegen bleiben sollten. Schon zuvor, um 1700, hatte sie zwei Bücher zum Thema Frauenbildung und Ehe veröffentlicht. Ihr Grundanliegen kleidete sie in die Frage: „Wenn alle Männer frei geboren sind, warum sind dann alle Frauen als Sklaven geboren?“
Eine Antwort ließ auf sich warten – auch weil in der englischen Oberschicht Frauen schon damals größere Freiheiten genossen. So schlossen sich Anfang der 1750er Jahre unter der Leitung von Elizabeth Montagu (1718 –1800) Damen der Londoner Gesellschaft zu einem Diskussionskreis zusammen, der das Ziel verfolgte, ihresgleichen von den üblichen bildungsfernen, aber standesgemäßen Beschäftigungen (Nähen, Sticken, Spielen) abzubringen und mit ernsthafter Literatur bekannt zu machen.
Gelehrte Männer waren auf eine Einladung angewiesen. Einer von ihnen hatte nicht das Geld für perfekte Kleidung und kam in blauen Baumwollstrümpfen, woraufhin dieser Kreis bald Bluestocking Society („Blaustrumpf-Gesellschaft“) genannt wurde. Der Begriff „Blaustrumpf“ wurde später jedoch eher abwertend gebraucht.
Im deutschen und französischen Kulturraum sucht man vergeblich nach Vergleichbarem. Die gesellschaftlichen Verhältnisse waren gänzlich andere, und auch die namhaften Aufklärer gehörten ganz verschiedenen Kreisen an. Männer wie Voltaire, Rousseau oder Diderot waren international bekannte freie Schriftsteller, in Deutschland lebten die meisten Aufklärer dagegen im Schatten der Höfe und waren Beamte, Professoren oder Geistliche.
Viele von ihnen wandten sich immer mehr der sogenannten Volksaufklärung zu, einer deutschen Besonderheit, in der es um praktische Dinge ging. Salons – die ersten öffneten in den 1780ern in Berlin ihre Pforten – waren literarische Begegnungsstätten, bei denen Frauen, auch Jüdinnen, erstmals eine prominente Rolle spielten (siehe Artikel “Selbstbewusste Gastgeberinnen”), aber emanzipatorische Impulse gingen von ihnen kaum aus.
Erst die Französische Revolution veranlasste vereinzelt Frauen zu feministischen Vorstößen. Nicht zufällig fallen diese in ihre Anfangsphase, in der utopische Hoffnungen zuhauf beobachtet wurden. Zwei Personen sind bis heute einem größerem Publikum bekannt: Olympe de Gouges (1748 – 1793) und Mary Wollstonecraft (1759 –1797). Erstere war eine Schriftstellerin einfacher Herkunft mit Mut und scharfem Blick für die sozialen Verhältnisse. Im Selbststudium hatte sie sich hinreichendes Wissen angeeignet, um unter ihrem angenommenem Namen Theaterstücke, Romane und andere Texte zu verfassen, die alle einen politischen Bezug hatten und ihr auch eine kurze Haft in der Bastille einbrachten.
Olympe de Gouges formuliert die „Rechte der Frau und Bürgerin“
Als die Revolutionäre die Menschen- und Bürgerrechte verkündeten, darin aber die Frauen wie selbstverständlich übergingen, verfasste sie 1791 die „Déclaration des droits de la femme et de la citoyenne“ („Erklärung der Rechte der Frau und der Bürgerin“), mit der sie gegen die Männer-Privilegien protestierte und für uneingeschränkte Gleichheit eintrat. Später zog sich de Gouges den Zorn Robespierres zu, der sie im Herbst 1793 hinrichten ließ.
Im Spätherbst 1792 traf Mary Wollstonecraft, eine aus kleinen Verhältnissen stammende englische Schulreformerin und Schriftstellerin, im revolutionären Frankreich ein. Sie hatte sich 1790 mit einer Widerlegung der populären Revolutionskritik Edmund Burkes (1729 –1797) einen Namen gemacht und ging nun einen Schritt weiter. Ihre 1792 gedruckte „Vindication of the rights of woman“ („Die Verteidigung der Frauenrechte“) mit einem Aufruf zur Revolutionierung der Mädchenerziehung wurde, anders als de Gouges’ politische Kampfschrift, sofort ins Deutsche übersetzt und erregte hier große Aufmerksamkeit.
Auf politischer Ebene änderte sich jedoch nichts. Gerade die Begeisterung für die antiken Demokratien schloss in den Augen der Jakobiner – und später der gleichgesinnten Väter der amerikanischen Verfassung – die Frauen von der politischen Sphäre aus; eine Begründung schien ihnen nicht einmal nötig.
Auch rechtlich verbesserte sich die Lage der Frauen kaum. Zwar verkündete das „Allgemeine Landrecht für die Preußischen Staaten“ von 1794 den Grundsatz der Gleichberechtigung von Mann und Frau, tatsächlich aber beseitigte es lediglich die prozessrechtlichen Beschränkungen unverheirateter Frauen; Napoleons „Code Civil“ zog 1804 nach.
Die Ansicht, die sich während der Aufklärung verfestigt hatte, dass aufgrund ihrer natürlichen geschlechtsspezifischen Unterschiede Männern und Frauen getrennte Sphären zuerkannt werden müssten, avancierte in der entstehenden bürgerlichen Gesellschaft zu einem konstitutiven Strukturelement, das erst mit dieser selbst im 20. Jahrhundert untergehen sollte.
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