Der Blick richtet sich auf eine Region, die in späterer Zeit zur Keimzelle des römischen Reiches werden sollte: Mittelitalien und die Region um das Tyrrhenische Meer. Im 9. und 8. Jahrhundert v. Chr. existierten in diesem Bereich zwei markante Kulturen: Die sogenannte Villanova-Kultur in den heutigen italienischen Regionen Toskana und Latium und die Nuragier auf der Insel Sardinien. Die Menschen der Villanova-Kultur werden auch als Proto-Etrusker bezeichnet, denn sie gelten als Vorfahren dieses berühmten antiken Volkes, das später wiederum eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des römischen Reiches spielte. Funde belegen, dass bereits die Proto-Etrusker Kupfer- und Eisenbergwerke in der Toskana betrieben und schon versierte Metallarbeiter waren.
Spuren im Reich der Nuragier
Die nicht weit entfernte Insel Sardinien war in dieser Zeit hingegen das Reich der Nuragier. Diese Ur-Sarden haben eine beachtliche Kulturstufe hervorgebracht, von der zahlreiche Siedlungsspuren und charakteristische Keramik- und Metallfunde zeugen. Das besondere Markenzeichen der Kultur waren allerdings die sogenannten Nuraghen – Steintürme, deren Reste zu tausenden auf der Insel zu finden sind. Wozu sie dienten, gilt noch immer als unklar. Es könnte sich um Kultstätten, Grabanlagen oder Wohn- und Befestigungsstrukturen gehandelt haben. Dass die Nuragier und die Proto-Etrusker Beziehungen unterhielten, gilt bereits als belegt – allerdings vorwiegend einseitig: In mittelitalienischen Villanova-Gräbern wurden Keramiken und Metallobjekte gefunden, die aus Sardinien stammten. Umgekehrt waren bisher aber kaum Spuren der Villanova-Kultur auf Sardinien bekannt. Das hat sich nun geändert.
Die Funde stammen von einem Ort, der zunächst überraschend erscheint: Die Keramiken wurden von italienischen Archäologen auf einer kleinen flachen Landzunge der Insel Tavolara vor der Nordostküste Sardiniens entdeckt. Die von einem hohen Felsmassiv geprägte Insel ist nur etwa sechs Kilometer lang, ein Kilometer breit und besitzt heute nur 20 Einwohner. Da Merkmale der Keramiken eine Herkunft aus Mittelitalien vermuten ließen, riefen sie besonderes Interesse bei den Archäologen hervor. So wurden sie nun von Experten um Silvia Amicone von der Universität Tübingen petrographischen und chemischen Analysen unterzogen, um genauere Hinweise auf die Zusammensetzung des Materials sowie die Herstellungstechniken zu gewinnen.






