Er gibt einen Überblick über den Themenkreis und hebt dabei vor allem Verbindungen zwischen dem Handwerk und seiner zünftigen Organisation hervor. Er konzentriert sich dabei mit Recht auf das Mittelalter und die Renaissance und entwickelt für diesen Zeitraum seine Kernfragen. Diese werden in klarer, ebenso schlichter wie überzeugender Sprache herausgearbeitet.
Besonders hebt der Autor etwa die Verbindung zwischen der gewerblichen Technik, der Bildung und deren Fundierung durch wissenschaftliche Forschung hervor. Sehr schön dargestellt wird dies an der Figur des im 12. Jahrhundert lebenden Mönchs Theophilus Presbyter, der von dem kleinen Benediktinerkloster Helmershausen im Weserbergland aus Grundsatzfragen von Handwerk und Technik aufgreift und in Verbindung von Theorie und Praxis zu substantiellen Lösungen gelangt. Seine Schrift „De diversis artibus“ (entstanden zwischen 1100 und 1120) vermittelt detaillierte Einblicke in die Techniken hochmittelalterlichen Kunsthandwerks, zum Beispiel der Buch- und Wandmalerei oder des Orgelbaus.
Wertvoll für die Erkenntnis der mittelalterlichen Gewerbe-strukturen sind Schulz’ Ausführungen über die großen Textilgewerbelandschaften im süddeutschen Raum. Sie zeigen die gelungene Verbindung von Handwerk und Handel und damit wesentliche Aspekte des Zusammenwirkens von Überliefertem und neuen Elementen. Es wird dabei deutlich, wie weit die räumliche Verteilung der gewerblichen Aktivitäten bereits vorangeschritten war.
Aufschlussreich sind dann auch die Ausführungen über die räumliche Verlagerung der handwerklichen Produktion im Norden Mitteleuropas, wo besonders das Textilgewerbe einen lebhaften Aufschwung nahm. Dieser machte sich vorzugsweise in gewerblich orien‧tierten Großstädten (etwa in Flandern) bemerkbar. Er leitete den allmählichen Übergang von der städtisch geprägten Gewerbewirtschaft zur Territorialwirtschaft ein. Zwar behielt das Gewerbe in diesem neuen Rahmen grundsätzlich seine Produktions- und Betriebsstruktur bei, doch erfuhr seine Organisation durch das sogenannte Reichshandwerksgesetz von 1731 eine grundsätzliche Veränderung: Die alte Zunftorganisa-tion wurde abgelöst und das Gewerbe so stärker an die Erfordernisse der Neuzeit angepasst.
Rezension: Prof. Dr. Karl Heinrich Kaufhold





