Was genau passiert war, verstanden zunächst weder die Astronauten im All noch die Ingenieure auf der Erde. Alles, was sie sahen, waren seltsame Daten auf ihren Monitoren. Main Bus B, einer der beiden Stromverteiler an Bord, meldete einen Spannungsabfall. In den Brennstoffzellen sank der Druck. Und die Anzeige für den Sauerstofftank 2 stand auf einmal auf null. Nichts davon schien einen Sinn zu ergeben: Zwar speisten sich die Brennstoffzellen aus den Sauerstofftanks, aber selbst wenn ein Tank ausfiel, sollte der andere die Versorgung sicherstellen, ohne dass es zu einem Problem mit der Stromversorgung käme. Dann meldete der dritte Mann an Bord, Fred Haise, dass die Astronauten einen lauten Knall gehört hätten. Irgendetwas war offenbar gewaltig schiefgegangen.
Dass nicht immer alles reibungslos verläuft, war den NASA-Mitarbeitern in Houston nur allzu bewusst. An Bord von Apollo 11 fand sich Neil Armstrong beim Landeanflug zum Mond über einem Geröllfeld wieder und musste die Treibstoffvorräte des LEM (Lunar Excursion Module) fast ganz ausreizen, bis er einen Landeplatz fand.
Bei der Nachfolgemission Apollo 12 war kurz nach dem Start ein Blitz in die Rakete eingeschlagen. Die Daten auf den Monitoren in Houston hatten verrückt gespielt. In der Kommandokapsel waren sämtliche Anzeigen ausgefallen. Doch Commander Pete Conrad behielt die Nerven, betätigte nicht den Hebel für die Rettungsraketen – und in Houston erkannte zugleich der Ingenieur John Aaron, dass es sich nur um eine temporäre Überlastung der elektrischen Systeme handelte. Der Neustart der Computer reichte aus, um die Mission zu retten.
Diesmal sah die Sache anders aus. Dabei hatte Swigert eine reine Routinemaßnahme durchgeführt. Einmal am Tag musste der Sauerstoff, der in superkalter, kryogener Form gelagert wurde, kräftig umgerührt werden. Aus irgendeinem Grund hatte dies zu einem Ausfall des Tanks geführt. Schlimmer aber war, dass zwei der drei Brennstoffzellen nicht mehr funktionstüchtig waren. Zwar reichte theoretisch eine Zelle aus, um die Mission erfolgreich durchzuführen, aber ohne funktionierende Back-up-Systeme war das Risiko zu groß. Als Lovell dann auch noch meldete, dass „irgendein Gas“ aus dem Servicemodul entweiche, war der ursprüngliche Flugplan reif für den Papierkorb.
Kurz darauf erhielt Flight Director Gene Kranz die nächste Hiobsbotschaft: Auch im Sauerstofftank 1 sank der Druck rapide. Das bedeutete, dass auch die letzte Brennstoffzelle eher früher als später ausfallen würde. Doch ohne die Systeme aus dem Servicemodul war die Kommandokapsel nicht überlebensfähig. Ihr eigener kleiner Sauerstofftank und ihre eigenen Batterien reichten gerade einmal für den kurzen Zeitraum des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre. Damit blieb nur noch eine Lösung. Vor jeder Mission wurden nicht nur die Astronauten, sondern auch die Mitarbeiter in der Zentrale auf die Probe gestellt. Diese arbeiteten in vier Schichten. Und glücklicherweise war ausgerechnet das diensthabende „Team White“ unter Leitung von Kranz vor der Mission mit einem ungewöhnlichen Problem konfrontiert worden: dem Verlust des Kabinendrucks in der Kommandokapsel. In der Simulation hatte das Team reagiert, indem es die Astronauten in die Mondlandefähre (LEM) hatte umziehen lassen.





