Zu den vielen eindrucksvollen Zeugnissen der langen altägyptischen Kulturgeschichte gehören bekanntlich zahlreiche Grabanlagen. In Inschriften an Wänden und Säulen werden die Verstorbenen dort zwar oft in glänzendem Licht dargestellt. Doch selbst vor diesem Hintergrund fällt ein Grab aus dem Rahmen, das sich etwa 30 Kilometer südlich der einstigen Stadt Theben befindet. Die mit 30 Pfeilern ausgestattete Anlage war einem Mann gewidmet, der am Ende des dritten Jahrtausends v. Chr. gelebt hat – in der Ära der sogenannten ersten Zwischenzeit, die von Bürgerkrieg geprägt war.
Ein Autokrat der Zwischenzeit
Anchtifi von Hefat war kein Pharao, sondern aus heutiger Sicht eher so etwas wie ein regionaler “Warlord”: Nachdem das zentral regierte Alte Reich zerfallen war, hatte er durch Söldner aus Nubien die Herrschaft über ein Teilstück Ägyptens errungen. “Diese Krieger waren eine wichtige Machtbasis für Anchtifi”, erklärt der Ägyptologe Ludwig Morenz von der Universität Bonn. Bereits seit seiner Studienzeit hat er sich mit der ungewöhnlichen Persönlichkeit von Anchtifi beschäftigt. Von 2002 bis 2004 war Morenz auch an Ausgrabungen einer britischen Feldstudie zu der Grabanlage Anchtifis beteiligt und hat Inschriften an den Pfeilern detailliert untersucht und entziffert.
In seiner Veröffentlichung „Anchtifi von Hefat: Manns-Kerl und Messias?“ verdeutlicht Morenz nun die extreme Besonderheit und Radikalität der Inschriften im Grabmal des ungewöhnlichen Ägypters. Im Vergleich zu anderen Texten wirkt die Art der Selbstpräsentation demnach fast verstörend – “einzigartig” nennt sie Morenz. Wie er berichtet, sind die Inschriften auf den Säulen autobiografisch formuliert und mythisch verklärt. “Als regionaler Machthaber präsentierte er sich im zerfallenden Reich Altägyptens als Retter und Messias”, sagt Morenz. In der Zeit, in der der einstige pharaonische Zentralstaat immer mehr in regionale Mächte zerfiel, inszenierte sich Anchtifi als “starker Kerl” und “Liebling der Götter”. Mit diesen Zuschreibungen wollte er in seiner Region Eindruck schinden und für den Neubeginn stehen, erklärt Morenz.
Manns-Kerl und Messias

Dabei kamen erstaunlich großspurige Formulierungen zum Einsatz: Auf den Säulen ist unter anderem zu lesen: “Ich bin ein Held ohnegleichen” und auch durch vordergründige Betonung der Männlichkeit trommelte sich Anchtifi auf die Brust. “Ich bin ein Manns-Kerl: Es wird keinen anderen geben”, lautet die Übersetzung einer Inschrift. Zum Ausdruck der Besonderheit wurde sogar ein neues Zeichen auf den Säuleninschriften eingeführt, berichtet Morenz: die Hieroglyphe „Krokodilsschwanz“. „Sie steht für Zerstörungspotenzial”, erklärt der Ägyptologe.





