Am 16. Mai 1920 fanden die Feierlichkeiten im Petersdom statt. Der Zeitpunkt war nicht beliebig gewählt. Die katholische Kirche wollte ein Zeichen der Annäherung an ein republikanisches Frankreich setzen, dessen Antiklerikalismus sich tief ins nationale Selbstverständnis eingegraben hatte. Der Moment schien günstig, hatte sich doch nach Kriegsende eine national-konservative Regierung gebildet, die sich dem Katholizismus gegenüber versöhnlicher zeigte. Nur zwei Monate nach der Heiligsprechung erhob denn auch die konservativ dominierte Abgeordnetenkammer einhellig das Gedenken an Jeanne d’Arc zum nationalen Feiertag. Allen republikanisch-antiklerikalen Reflexen zum Trotz wurde fortan alljährlich am zweiten Sonntag im Mai eine Heilige als Nationalheldin gefeiert.





