Die vom Metropolitan Museum of Art, New York, konzipierte und vom Museum Rietberg neu inszenierte Schau präsentiert Skulpturen von Herrschern und weiteren prägenden Persönlichkeiten aus vorkolonialer Zeit. Sie macht deutlich, dass Naturalismus keineswegs eine exklusiv europäische Erfindung war. Mit Attributen wie Insignien, Schmucknarben oder kunstvollen Frisuren näherten sich die Künstler dem idealen Abbild einer gefeierten Würdenträgerin oder eines grossen Jägers, deren Andenken von den Bewohnern in den Gemeinschaften hochgehalten wurde. Viele dieser Ahnenbilder spielten bei Übergangsritualen, wie etwa in der Thronfolge, eine zentrale Rolle und waren mitverantwortlich für eine konfliktfreie Machtübergabe. Die Ankunft der Europäer als Händler und später als Kolonisatoren führte dazu, dass viele dieser Darstellungen aus ihrem ursprünglichen Kontext gerissen wurden und in westliche Sammlungen gelangten. Erst in den letzten Jahrzehnten wurden die afrikanischen Personendarstellungen als zeitlose Kunsterzeugnisse erkannt und bewundert.
Um die globale und zeitlose Darstellung dieser Persönlichkeiten zu betonen, begegnen wir im Eingangsbereich der Ausstellung dem Standbild eines vornehmen Beamtenpaares aus einer altägyptischen Grabkammer, Abbildern von römischen Kaisern sowie Porträts von Edo-Königen aus der Stadt Benin. Diese Gegenüberstellung macht deutlich: Das idealisierte Bild dieser bedeutender Persönlichkeiten wird in der klassischen Antike und in der höfischen afrikanischen Kunst gleichermassen zelebriert. Den Auftakt der eigentlichen Ausstellung bestreitet die frühe höfische Yoruba-Kunst in der Stadt Ife (12.–15. Jahrhundert). Die in Terrakotta und Bronze geschaffenen Werke zeigen Porträts von Fürsten und Königsmüttern in idealisiertem Naturalismus. Ab dem 15. Jahrhundert werden die benachbarten Edo am Hofe von Benin diese Porträt-Kunst für ihre Könige übernehmen, wobei das menschschliche Abbild einen strengeren, stärker stilisierten Ausdruck gewinnt. Auch hier dominieren Werke aus Ton, Elfenbein und Gelbguss – Materialien, die im Gegensatz zu Skulpturen aus Holz die Jahrhunderte fast schadlos überdauert haben.
Es folgt ein Einblick in die Vielfalt der traditionellen Terrakotta-Köpfe und -Figuren der Akan-Region, die seit dem frühen 17. Jahrhundert im südlichen Ghana und an der Elfenbeinküste auf Gräbern weit verbreitet waren. Frühe Fotografien von Missionaren zeigen diese Gedenkstätten mit ihren Ahnengalerien aufs Eindrücklichste.
Den Schwerpunkt der Ausstellung bilden grandiose Holzskulpturen. Dazu gehören die Bildwerke der Hemba, die wohl zu den imposantesten afrikanischen Heroen gehören: Die Meisterschnitzer aus der zentralen Kongo-Region schufen zu Ehren der Hemba-Chiefs kraftvolle Skulpturen von atemberaubender Eleganz. Mit dieser Verewigung eines Klanchiefs wurde die Kontinuität der Grossfamilie sichergestellt. Die Verbindung zwischen den Generationen betont der stark akzentuierte Bauchnabel, während der mächtige Kopf Sitz von Identität und individueller Kreativität ist.





