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„Hellenische Pharaonen“
Kleopatra entstammte der Dynastie der Ptolemäer, die seit dem3. Jahrhundert v. Chr. als griechische Elite über Ägypten herrschte. Als Königin sollte sie sich die Macht mit ihrem Bruder teilen. Ihr Aufstand dagegen setzte eine Reihe historischer Ereignisse in Gang.
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Der griechische Autor Plutarch (um 46–um 120) gibt uns einen recht überschwänglichen ersten Eindruck von Kleopatra: „Ein Vergnügen war es, dem Klang ihrer Stimme zu lauschen. Sie wusste ihre Zunge wie ein vielstimmiges Instrument mit Leichtigkeit in jede ihr beliebende Sprache zu fügen und bediente sich nur im Verkehr mit ganz wenigen Barbaren eines Dolmetschers; den meisten erteilte sie persönlich Bescheid, so den Äthiopen, Troglodyten [am südlichen Roten Meer], Hebräern, Arabern, Syrern, Medern und Parthern [im Mittleren Osten]. Noch vieler anderer Völker Sprachen soll sie verstanden haben, während die Könige vor ihr es nicht einmal fertiggebracht hatten, die ägyptische Sprache zu beherrschen, einige sogar das Makedonische verlernt hatten.“
Gleichzeitig verrät diese Passage auch etwas über die Herkunft der ägyptischen Königin aus der Dynastie der Ptolemäer, die seit um 300 v. Chr. am Nil regierten. Mit den von Kleopatra gesprochenen Sprachen umreißt Plutarch nämlich zum einen die (teils fiktiven) Grenzen des Reichs, das diese Könige für sich zu beherrschen beanspruchten: Es reichte von Kyrene (im heutigen Libyen) über Ägypten bis hin zum Horn von Afrika, von der Levanteküste über Arabien bis an den Hindukusch.
Zum anderen deuten Plutarchs Zeilen an, dass sich die Ptolemäer keinesfalls nur als „Könige Ägyptens“ betrachteten – sie sahen ihr Königtum als universell an. Sie verstanden sich als griechisch-makedonische Monarchen in der Nachfolge Alexanders des Großen, selbst wenn einige von ihnen, wie Plutarch behauptet, den mit dem Griechischen verwandten Dialekt ihrer Heimat verlernt hatten.
Erbmasse des früheren Weltreichs Alexanders des Großen
Entstanden ist die sich derart machtvoll gebende Dynastie der Lagiden, wie wir die Ptolemäer heute nach Lagos, dem Vater von Ptolemaios I., ebenfalls nennen, nach dem Tod Alexanders des Großen im Jahr 322 v. Chr. Dessen Generäle und Gefolgsleute, vornehmlich Makedonen, hatten die enorme Erbmasse eines Reichs, das sich auf drei Kontinenten erstreckte, unter sich aufgeteilt.
Ptolemaios (I., reg. 305–282 v. Chr.) fiel dabei Ägypten zu, doch nicht nur dieses, sondern auch Kyrene, Zypern und Teile der Levanteküste machte er sich untertan. Seine Pläne reichten aber weit darüber hinaus, denn er trachtete, wie seine Miterben auch, nach dem gesamten einstigen Weltreich Alexanders: Kriege waren deshalb das prägende Kennzeichen der folgenden 300 Jahre des hellenistischen Zeitalters.
Ptolemaios II. (reg. 282–246 v. Chr.) – jeder König der Dynastie führte diesen Namen – konstatierte dann bei einer großen Festprozession, den Ptolemaia, die tatsächliche Beherrschung des Alexanderreiches. Er führte Beute aus Indien, Arabien und Äthiopien mit, aus Regionen also, in die faktisch nie einer seiner Soldaten einen Fuß gesetzt hatte. Da zudem Beute aus Arabien und vom Horn von Afrika gezeigt wurde, behauptete der König schon über 200 Jahre vor Kleopatra einen imaginären Herrschaftsraum, der sogar größer war als derjenige Alexanders.
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Ptolemaios II. wollte folglich die letzten Pläne des zu früh verstorbenen Makedonen erfüllen. Die Dimensionen des Ptolemäerreichs wiederum, in denen sich die Sprachkenntnisse der Kleopatra spiegeln, erreichte dann Ptolemaios III. (reg. 246–221 v. Chr.) im Jahr 245/44 v. Chr. – wenn auch nur für kurze Zeit. Hiervon kündet eine Siegesinschrift von der südlichen Küste des Roten Meeres.
Ptolemaios I. hatte das von Alexander gegründete Alexandria zu seiner Hauptstadt gemacht, und von hier beherrschte seine Dynastie ein maritimes Großreich, das sich über das östliche Mittelmeer bis hin nach Thrakien am europäischen Teil des Bosporus erstreckte. Ägypten war das Hinterland dieses Reiches und garantierte mit seiner Fruchtbarkeit den Reichtum der Dynastie.
Das Land am Nil entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einer Art „Neuen Welt“ und zog zahlreiche Griechen, Makedonen, Thraker, Juden und andere Völker an. Rein rechtlich gesehen waren alle Zuwanderer gegenüber der ägyptischen Bevölkerung bevorzugte „Griechen“, die Herrschaftssprache war das Griechische.
Man mag sich die Situation, auch wenn der Vergleich hinkt, als eine Art kolonialer Herrschaft vorstellen, in der eine Schicht von etwa fünf Prozent Eingewanderten über die lokale Bevölkerung herrschte. Selbstverständlich gab es aber zahlreiche Verbindungen zwischen Fremden und Einheimischen, und zudem übten die ägyptische Kultur und Religion eine ganz erhebliche Anziehungskraft auf die „Griechen“ aus.
Angewiesen auf die Kooperation mit der örtlichen Elite
Für die Könige war es von entscheidender Bedeutung, die lokalen Eliten zur Mitarbeit zu bewegen, denn nur so konnte Ägypten in Ruhe gehalten werden. Aus diesem Grund erhielten die ägyptischen Priesterschaften größtmögliche Freiheiten und Privilegien. Die Inschrift des später wegen seiner Rolle bei der Entzifferung der Hieroglyphen berühmt gewordenen Steins von Rosetta ist ein Zeugnis dieser „Kollaboration“ lokaler Eliten mit dem fremden König: Im Tausch für die Gewährung umfangreicher Privilegien erklären die Priester Ptolemaios V. zum legitimen Pharao.
Wie wenig die Könige hingegen wirkliche Pharaonen, oder gar Ägypter sein wollten, zeigt die eingangs zitierte Stelle von Plutarch, nach der Kleopatra die Erste des Geschlechts gewesen sei, die die Sprache des Großteils ihrer Untertanen sprach. Das griechisch-makedonische Selbstbild der Dynastie zeigt sich auch im Herrschaftssitz Alexandria, einer griechischen Stadt mit der weltberühmten Bibliothek, die sich in einem makedonischen Palastviertel befand.
Bei einer so deutlichen Akzentuierung griechisch-makedonischer Identität stellt sich natürlich die Frage, weshalb wir heute zuweilen trotzdem von den „hellenischen Pharaonen“ sprechen, Kleopatra gar als „Ägypterin“ bezeichnen. Das liegt zum einen an der antiken Diffamierung der Dynastie. In Kleopatra vereinten sich die negativen Stereotypen der Zeit über die Herrschaft einer Frau einerseits und den Luxus und die Verkommenheit Ägyptens andererseits.
Viele „ägyptische“ Tempel entstehen unter den Ptolemäern
Solche Darstellungen römischer Autoren beruhen auf bewusst falsch interpretierten Fakten. Einerseits waren nämlich in der Tat überall in Ägypten die Ptolemäer als Pharaonen zu sehen, weil die Priester sie zu einheimischen Pharaonen ausgestaltet hatten. Viele der heute erhaltenen Tempel, wie die von Philae, Dendera oder Edfu, stammen überhaupt erst aus ptolemäischer Zeit bzw. wurden damals massiv ausgebaut. Und auf den Hunderten Reliefs dieser Tempel ist überall in traditioneller Motivik ein Pharao dargestellt, der die Rituale vor den Göttern vollzieht. Die Kartuschen mit dem Namen Ptolemaios zeigen, dass es sich um den jeweils amtierenden König handelt.
Weiterhin liegt die Wahrnehmung der Ptolemäer als Pharaonen daran, dass sie selbst, leicht modifiziert, die Kultur und Religion Ägyptens zu einem Bestandteil ihrer Selbstdarstellung gemacht hatten. Reiste ein Grieche oder Römer nach Alexandria, so kam er zwar in eine griechische Stadt mit den entsprechenden Tempeln und öffentlichen Gebäuden. Gleichzeitig sah er aber auch exotisch-ägyptische Elemente: Schon am Hafen begrüßten ihn riesige Statuen der Könige und ihrer Gemahlinnen in ägyptischer Gewandung. Auch Kleopatra trat in Alexandria ganz selbstverständlich und in Tradition ihrer Vorgängerinnen als Isis auf.
Doch eines ist dabei wichtig: Die Ägyptisierung der Selbstdarstellung in Alexandria, mit der schon Ptolemaios II. begonnen hatte, beruhte, anders als in den ägyptischen Tempeln, nicht auf einer direkten Übernahme ägyptischer Repräsentation. Vielmehr passten die Griechen sie an ihre Sehgewohnheiten an: Ein Ägypter wird das Aussehen der Statuen deshalb sofort als verfremdet erkannt haben, wohingegen ein Fremder es für typisch ägyptisch gehalten haben wird.
Zudem gestalteten die Griechen Isis zu einer griechischen Universalgottheit aus, gräzisierten also die ägyptische Göttin. Wir würden heute, modernistisch gesprochen, wohl von einer kulturellen Aneignung Ägyptens sprechen.
Das Besondere der Ptolemäer war zudem, dass ein Leben in dionysischen Genüssen und das Zurschaustellen des Reichtums entscheidender Bestandteil ihrer Selbstdarstellung waren. Sie wollten ihren Untertanen zeigen, dass sie in einem goldenen Zeitalter lebten.
Ptolemaios XII., der Vater Kleopatras, trug gar den Beinamen „junger Dionysos“. Manche nannten ihn auch „Flötenspieler“ (Auletes), weil die Flöte ein wichtiges Kultinstrument des auf Alkoholkonsum und Tanz ausgerichteten Dionysoskultes war. So heißt es bei dem griechischen Autor Lukian (um 120–nach 180) über den König: „Bei Ptolemaios [XII.] mit dem Beinamen Dionysos verleumdete jemand den Platoniker Demetrios, weil dieser Wasser trinke und als einziger keine Frauenkleidung bei den Dionysien anlege. Und wenn nun dieser, nachdem er herbeibefohlen worden war, nicht vom frühen Morgen an vor den Augen aller getrunken und dazu getanzt hätte, so wäre er verloren gewesen als jemand, der offenkundig keine Freude am Lebensstil des Königs fand, sondern als Kritiker und Gegner des Luxus des Ptolemaios galt.“ Eine solche Selbstdarstellung machte die Dynastie zur perfekten Angriffsfläche für die sich bescheiden-männlich gebenden Römer.
Über die Mutter der wohl Ende 70, Anfang 69 v. Chr. geborenen Kleopatra wissen wir nichts. Nach dem antiken Autor Strabon (64/63 v. Chr.–nach 23 n. Chr.) war nämlich ausschließlich Berenike IV., die älteste Tochter Ptolemaios’ XII., legitim. Deshalb übertrugen die Alexandriner ihr und nicht einem seiner später geborenen Söhne im Jahr 58 v. Chr. die Herrschaft, als die Bürgerschaft den König aus der Herrschaft jagte.
Wer war die Mutter Kleopatras?
Die vier übrigen Kinder des Vertriebenen – Kleopatra VII., Ptolemaios XIII., Ptolemaios XIV. und Arsinoë IV. – müssen also von einer anderen Frau abstammen, was dazu passt, dass sich der König bereits 69 oder 68 v. Chr. seiner offiziellen Gemahlin entledigt hatte. Es bietet sich an, dass die Mutter Kleopatras eine Makedonin vom Hof war, doch gibt es auch die abwegige Ansicht, sie sei eine Ägypterin gewesen.
Ptolemaios XII. selbst – Rom hatte ihn 55 v. Chr. wieder in Alexandria an die Herrschaft gebracht – betrachtete dagegen alle seine Kinder sehr wohl als legitim-makedonisch. Das zeigen schon allein ihre dynastischen Namen.
Auch die Inschrift eines Gedenksteins, den ein in Alexandria lebender Ägypter am 31. Mai 52 v. Chr. gestiftet hatte, unterstreicht die Legitimität der Kinder: „Für das Heil des Königs Ptolemaios, des Gottes Junger Dionysos und seiner Kinder, der Jungen Geschwisterliebenden Götter, für Isis, die größte Göttin, und für Serapis, den größten Gott, hat Neferos, Sohn des Babaus, den heiligen Ort für die Herren, die größten Götter, ausgeschmückt.“
Die Geschwisterliebe, die sich der Vater durch den Kulttitel für seine Kinder erwünschte, sollte, wie die Zukunft zeigen wird, ein unerfüllter Wunsch bleiben. Sie war aber als Motiv dynastischer Legitimation integrales Element königlicher Selbstdarstellung. Bereits Ptolemaios II. hatte seine Schwester Arsinoë II. geehelicht und sich dann gemeinsam mit ihr als „Geschwistergötter“ verehren lassen.
Die Tatsache wiederum, dass Ptolemaios XII. Kleopatra gemeinsam mit seinem ältesten Sohn Ptolemaios testamentarisch zu Thronfolgern einsetzte und hierfür Rom als Garantin bestimmte, zeigt, dass er die Geschwisterehe für die Fortschreibung seines Geschlechts vorsah. Um sicherzugehen, dass das passierte, installierte er seine etwa 18 Jahre alte Tochter noch vor seinem Tod als Mitherrscherin. Der etwa zehn Jahre alte Ptolemaios XIII. sollte, sobald er volljährig wäre, an ihre Seite treten.
Die Bürger Alexandrias fackeln nicht lange
Zwei Dinge macht die bereits erwähnte Vertreibung Ptolemaios’ XII. zudem deutlich. Erstens ist die Alleinherrschaft einer Frau in der Dynastie keine Besonderheit. Sie beruht auf einer Tradition, die bereits mit der ersten Kleopatra im 2. Jahrhundert v. Chr. ihren Anfang genommen hatte. Zweitens weist die Vertreibung des Königs auf die Macht der Alexandriner hin. Sie konnten bestimmen, wer ihr König oder eben auch ihre Königin sein sollte. Die einzige Voraussetzung war, dass dieser oder diese aus der Dynastie stammen musste.
Damit bieten die Vertreibung Ptolemaios’ XII. und die Krönung Berenikes IV. im Jahr 58 v. Chr. einen Vorgeschmack auf den Alexandrinischen Krieg Caesars. Da bereits eine Alleinherrschaft Berenikes IV. kein Problem für die Alexandriner dargestellt hatte, ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Kleopatra VII. nach dem Tod ihres Vaters im Juli 51 v. Chr. die Zügel der Herrschaft problemlos übernehmen konnte.
Doch sie wollte die Macht nicht teilen: Die neue Königin ignorierte das Testament ihres Vaters, das den zehn Jahre alten Ptolemaios XIII. ebenfalls zum Thronerben bestimmt hatte. Aus diesem Grund entledigte sie sich auch des hierzu mehr als konträr stehenden Kultnamens „die Geschwisterliebende“. Gleichzeitig gab sie vor, ganz im Sinne Ptolemaios’ XII. zu handeln, indem sie sich jetzt als „vaterliebende Göttin“ verehren ließ.
Eine ägyptische Stele aus dem Faijum (siehe Abbildung) zeigt die neue Situation ihrer Alleinherrschaft. Eine Kultgenossenschaft unter dem Priester Onnophris hält in einer Inschrift fest, dass sie „für das Heil der Königin Kleopatra, der Vaterliebenden Göttin … den Vereinsort der Göttin Isis Snonais … gestiftet“ habe.
Auf dem Giebelfeld desselben Steines sieht man an der Stelle, wo eine Pharaonin – also Kleopatra – stehen müsste, einen Pharao beim Opfer vor Isis. Diese „männliche“ Kleopatra hat für Diskussionen gesorgt, weil man meint, sie imitiere hier die „männliche“ Pharaonin Hatschepsut aus dem Neuen Reich. Diese war freilich in ihrer Zeit überhaupt nicht mehr bekannt. Ein genauerer Blick auf die Stele offenbart vielmehr, dass es sich um ein wiederverwendetes Stück handelt. Ursprünglich hatte jemand die Stele für einen Pharao gestaltet, doch dann tilgte man den Originaltext und brachte die neue Inschrift mit dem Namen der Königin an.
Den Hof in Alexandria hatte Kleopatra jedoch nicht unter ihrer Kontrolle. Drei machtvolle Männer, der Eunuch Potheinos, der General Achillas und der Lehrer Ptolemaios’ XIII., Theodotos, konnten durchsetzen, dass sie ihren Bruder als Mitherrscher akzeptieren musste. Die Datierung einer Urkunde des Jahres 49 v. Chr. zeigt, dass der Knabe nun auch die Führungsposition des Duos erhielt: „Das erste Jahr [Ptolemaios’ XIII.], das auch das dritte [Kleopatras VII.] ist“.
Die junge Königin wird abgesetzt
Kurze Zeit später, noch 48 v. Chr., vertrieb die Hofallianz Kleopatra aus Alexandria, woraufhin sie zunächst nach Oberägypten floh. Die Absetzung einer testamentarisch bestimmten Königin konnte freilich nicht ohne Zustimmung der Garantiemacht Rom stattfinden. So bemühten sich die Vormünder des Ptolemaios um Zustimmung des Senats.
Das war wiederum gar nicht so einfach, denn im Römischen Reich tobte seit Januar 49 v. Chr. ein Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius. An welchen Senat sollte man die Anfrage stellen? Den des Caesar oder den des Pompeius? Die Vormünder entschieden sich für Pompeius, der sich im griechischen Osten befand. Dessen Senat beschloss in der Tat, ausschließlich Ptolemaios XIII. als König anzuerkennen. Pompeius erhoffte sich damit wohl, Ruhe im Ptolemäerreich herzustellen und den dortigen Hof auf seiner Seite zu haben.
Zwar war Ptolemaios in Ägypten nun unbestritten König, doch seine Schwester blieb nicht untätig. Sie begab sich nach Syrien und stellte eine Armee auf. Das alleine ist im Grunde genommen eine Sensation. Als Flüchtling und Frau ohne direkte Machtmittel muss sie auf ein Netzwerk zurückgegriffen haben, dass es ihr ermöglichte, – aus dem Nichts – ein Heer zu rekrutieren, mit dem sie wenig später den Truppen ihres Bruders gegenüberstand. Hier sollte sich dann das Geschick des Römischen Reiches entscheiden, doch das ist eine andere Geschichte (siehe Artikel “Tatsächlich Liebe?“).
Festzuhalten bleibt, dass Kleopatra bereits in der Zeit vor ihrer Allianz mit Caesar und später Marcus Antonius eine Machtfülle besaß, die es ihr einerseits ermöglichte, nach dem Tod des Vaters und gegen dessen expliziten Willen Alleinherrscherin zu werden. Die dann nach ihrer Vertreibung zudem in der Lage war, als Exilantin ein Heer aufzustellen. Ihre eingangs erwähnten Sprachkenntnisse hätte sie an der Levante, wo man Syrisch, Aramäisch und Arabisch sprach, freilich überhaupt nicht nutzen müssen, denn jeder lokale Verbündete und Unterstützer und jeder Soldat sprach und verstand natürlich die Weltsprache der damaligen Zeit: das Griechische.
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