Der griechische Autor Plutarch (um 46–um 120) gibt uns einen recht überschwänglichen ersten Eindruck von Kleopatra: „Ein Vergnügen war es, dem Klang ihrer Stimme zu lauschen. Sie wusste ihre Zunge wie ein vielstimmiges Instrument mit Leichtigkeit in jede ihr beliebende Sprache zu fügen und bediente sich nur im Verkehr mit ganz wenigen Barbaren eines Dolmetschers; den meisten erteilte sie persönlich Bescheid, so den Äthiopen, Troglodyten [am südlichen Roten Meer], Hebräern, Arabern, Syrern, Medern und Parthern [im Mittleren Osten]. Noch vieler anderer Völker Sprachen soll sie verstanden haben, während die Könige vor ihr es nicht einmal fertiggebracht hatten, die ägyptische Sprache zu beherrschen, einige sogar das Makedonische verlernt hatten.“
Gleichzeitig verrät diese Passage auch etwas über die Herkunft der ägyptischen Königin aus der Dynastie der Ptolemäer, die seit um 300 v. Chr. am Nil regierten. Mit den von Kleopatra gesprochenen Sprachen umreißt Plutarch nämlich zum einen die (teils fiktiven) Grenzen des Reichs, das diese Könige für sich zu beherrschen beanspruchten: Es reichte von Kyrene (im heutigen Libyen) über Ägypten bis hin zum Horn von Afrika, von der Levanteküste über Arabien bis an den Hindukusch.





