Unweit der Grenzstation bei Rafah wurde der Hoffnungsträger von 300 Ehrengästen empfangen. Der PLO-Chef kniete nieder und küsste den Boden. Er war im Gazastreifen angekommen, den er von nun an bis zu seinem Tod im Jahr 2004 beherrschten sollte. Tief bewegt schritt er die Ehrengarde der palästinensischen Polizei ab und ließ sich anschließend von den Männern auf Händen tragen. Wenig später folgte in Gaza-Stadt eine Art Antrittsrede. „Von Gaza werden wir nach Hebron und Nablus und Tulkarem ziehen, und dann – endlich – nach Jerusalem!“, rief er den mehr als 50 000 Versammelten zu.
Jener 1. Juli 1994 war ein Tag, der die meisten Palästinenser mit Hoffnung auf zukünftige Siege erfüllte. Arafat, der langjährige Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), galt als Held im Kampf gegen Israel. Aber auch Israelis, die sich von dem Weg hin zu einer Zweistaatenlösung Frieden erhofften, begrüßten die Entscheidung der Regierung Jitzchak Rabins, Arafat einreisen zu lassen, ausdrücklich. Gegner Arafats fanden sich sowohl auf arabischer als auch auf israelischer Seite: Die „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ etwa ließ verlauten, dass Arafats Annäherung an Israel, die ihm die Einreise nach Gaza ermöglicht hatte, eine „Schande für die Araber“ sei. Auf der anderen Seite sprach der spätere Premierminister Benjamin Netanjahu, damals noch Oppositionsführer, von einer „nationalen Schmach“ für Israel.





