Diese und andere grausame Taten nach dem Vorbild der sizilischen Tyrannen des Altertums, die man unaufhörlich von ihm [Roger II.] hört, übergehen wir, da sie nahezu allen bekannt sind. Manche allerdings sagen, er handle so mehr aus Rechtsgefühl als aus tyrannischen Gelüsten, und behaupten, er liebe den Frieden mehr als alle anderen Fürsten, und nur zu dessen Bewahrung halte er die Aufrührer mit solcher Strenge in Schranken. Andere dagegen sind der Meinung, er suche den Frieden zu erhalten mehr aus Gier nach dem Gelde, von dem er weit mehr besaß als selbst alle abendländischen Könige, denn aus Liebe zum Recht.“
Diese Worte Ottos von Freising machen deutlich, dass Roger II. bereits für die Zeitgenossen viel Gesprächsstoff bot. Wenn schon der Aufstieg seines Vaters Roger I. vom jüngsten Sohn eines normannischen Adligen mit düsteren Karriereaussichten zum Grafen des eroberten Sizilien das Erstaunen der Zeitgenossen hervorrief, galt das umso mehr für die Anknüpfung an diese Erfolgsgeschichte unter seinem Sohn Roger, der die süditalischen Besitzungen der Normannen unter der Herrschaft eines Königs vereinte und zur dominanten Figur im Mittelmeerraum wurde. Je nachdem, welche Perspektive man einnahm, konnte man dies als göttliche Vorsehung begreifen oder in Roger einen Tyrannen sehen, der auf seinem Weg zu ungeahnten Höhen keine Skrupel kannte. …
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PD Dr. Alheydis Plassmann





