Im 17. und 18. Jahrhundert befand sich am südlichen Tor der Stadt Rendsburg eine eingemauerte Inschrift mit den lateinischen Worten: „Eidora Romani Terminus Imperii“ – „Hier an der Eider liegt die Grenze des Heiligen Römischen Reichs“. Bemerkenswerterweise befand sich das Stadttor auf dänischem Gebiet. Aus heutiger Sicht mutet das befremdlich an, hätten wir doch auf dänischer Seite eher die Aufschrift „Hier beginnt Dänemark“ und nicht etwa „Hier endet Deutschland“ erwartet. Aus damaliger Perspektive gab es gleichwohl gute Gründe für eine solche Maßnahme: So trennte die Eider nicht nur das Reich und Dänemark, sondern auch Holstein von Schleswig. Die Inschrift vermittelte also auch die politische Botschaft, das Herzogtum Schleswig gehöre nicht mehr zum Heiligen Römischen Reich.
Zu dieser Zeit war die Grenze schon viele Jahrhunderte alt. Im Jahr 811 – vor genau 1200 Jahren – trafen sich an der Eider zwölf dänische und zwölf karolingische Unterhändler zu folgenschweren Verhandlungen. Nördlich des Flusses hatten die dänischen Regionalkönige schon seit einiger Zeit die Ausdehnung des Karolingerreichs über die Elbe hinweg mit großer Aufmerksamkeit beobachtet. Um 804, als sich Karl der Große im gerade erst gegründeten Hamburg – der „Hammaburg“ – aufhielt, kam es zu ersten Gesprächen mit einem Dänenkönig namens Godfred, dessen Machtzentrum vermutlich irgendwo im nördlichen Schleswig lag: allem Anschein nach ohne Ergebnis, denn einige Zeit danach berichten die Quellen von einem Angriff der Dänen auf die mit Karl dem Großen verbündeten Slawen.
Wenig später griffen wiederum beachtliche 200 Schiffe aus dem Norden das östliche Friesland an und mögen dabei Karl dem Großen einen gehörigen Schrecken versetzt haben. Was Karl aber nicht wusste: Bei den Schiffen handelte es sich keineswegs um Godfreds Streitmacht, sondern um die Fahrzeuge anderer dänischer Fürsten – um eine typische Wikingerflotte. Karl gaben diese Übergriffe gleichwohl zu denken, und 811 kam es zu der bemerkenswerten Übereinkunft, die den Fluss Eider als Grenze zwischen dem Karolingerreich und dem entstehenden Dänemark festlegte.
War die Eider aber schon in der Anfangszeit eine Grenze im modernen Sinn? Heute sind wir es gewohnt, uns eine Grenze als abstrakte Linie vorzustellen, die zwei Länder voneinander trennt. Diese Vorstellung ist zweifellos recht modern. Denn in vormoderner Zeit waren es oft Grenzsäume, die als natürliche Hindernisse ein Land von einem anderen schieden. Ein Blick auf die historische Landkarte zeigt sofort auf, dass auch die Eider nur das südliche Ende eines solchen Saumes darstellte. Ein breiter Streifen nahezu undurchdringlichen Sumpf- und Waldlandes erstreckte sich zwischen jenem Fluss und dem westlichen Ende der Schlei, wo damals noch die Wikingerstadt Haithabu lag.





