Die Genremalerei überführt diesen Motivschatz in ein verweltlichtes Fest. Christi Geburt wird als Geschenk in den Alltag übersetzt. Die christliche Botschaft der Nächstenliebe kommt in verschiedenen Darstellungen zum Ausdruck, in Lorenzo Quaglios Armenspeisung in einer Klostervorhalle und in Ferdinand Georg Waldmüllers, Christmorgen.
In dialektischer Methode stehen diesem Ausstellungsteil Werke gegenüber, die Verfehlungsgeschichten des Menschen beschreiben: Die Bosheit des Menschen, seine Habgier, Selbstüberschätzung, Maßlosigkeit und seinen Ungehorsam. Drastisch setzen Künstler wie Johann Wilhelm Schirmer, Julius und Ludwig Schnorr von Carolsfeld, Johann Friedrich Overbeck oder Eduard Jakob von Steinle Gottes Sanktionierung um, in Werken wie: Die Vertreibung aus dem Paradies, Die Sintflut, Der Turmbau zu Babel, Menetekel. Als Quelle dient hauptsächlich das Alte Testament, ferner Legenda aurea und apokryphe Überlieferungen.
In einem eigenen Raum vorangestellt werden die göttlichen Botschafter als Helfer und Retter: Schutzengel, Verkündigungsengel, Engel der Inspiration, Engel als Überbringer von erlösenden Nachrichten und Engel der Anbetung. Besonders seit dem Barock existiert die Bildebene der Trivialisierung und Verniedlichung des Engels als feister Putto. Der jugendstilgeprägte Zumbusch bietet ein anschauliches Beispiel.
Das spannende Moment der Ausstellung kreist um den Begriff der künstlerischen Freiheit: Der Betrachter begegnet völlig unterschiedlichen und individuellen Auslegungen der christlichen Botschaft.





