Auf einem Plateau nahe der Donau im heutigen Oberschwaben thronte einst eine monumentale Anlage, die als die älteste bekannte Stadtanlage nördlich der Alpen gilt: Die sogenannte Heuneburg bildete ab 620 v. Chr. bis ins 5. Jahrhundert v. Chr. ein frühkeltisches Zentrum und war wohl der Sitz eines Fürsten. Umfangreiche Untersuchungen des Fundortes haben in den letzten Jahrzehnten die Ausmaße der Siedlung verdeutlicht. Die befestigte Stadt beherbergte demnach zu ihrer Blütezeit mehrere tausend Einwohner. Die Bedeutung des Ortes verdeutlichten zudem bereits teils reiche Funde in den Hügelgräbern im Umland der Heuneburg.
Ein solches Grab steht nun erneut im Fokus. Im Jahr 2018 begann das Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart mit der Untersuchung eines Großgrabhügels, der sich in der Donauebene unterhalb der Heuneburg befindet. Dabei zeigte sich, dass eine fachgerechte Freilegung der Überreste der drei mal fünf Meter großen Grabkammer vor Ort nicht ohne Risiken möglich war. So entschloss sich das LAD zu einer archäologischen Hauruck-Aktion: Im Oktober 2020 wurde die gesamte Grabkammer im Block geborgen und zur Untersuchung in die Labore des LAD in Ludwigsburg-Grünbühl transportiert. Dort konnte dann ein Expertenteam unter optimalen Bedingungen Untersuchungen an dem empfindlichen Fundmaterial durchführen. Nun berichtet das LAD über die ersten Ergebnisse.
Reste prunkvollen Halsschmucks
Die Funde in der von Wassereinbrüchen geprägten Grabkammer belegen demnach, dass es sich um eine ursprünglich reich ausgestattete Ruhestätte einer Frau der Oberschicht gehandelt hat. Darauf weisen Spuren von Schmuckbeigaben hin, wie sie für die Frauentracht der Zeit um 600 v. Chr. typisch waren, berichtet das LAD. Konkret stießen die Archäologen auf 15 filigrane Goldperlen, die wahrscheinlich einst zu einem prunkvollen Halsschmuck gehörten. Außerdem entdeckten sie eine Bernsteinfibel. Dieses Stück verweist somit auch auf Fernbeziehungen der Kelten von der Heuneburg in den Ostseeraum.
Das Team stieß zudem auf Keramiken und ein Schweineskelett. Dabei handelt es sich offenbar um Trank- und Speisebeigaben, die der Toten auf ihrem Weg ins Jenseits mitgegeben worden sind, erklären die Experten. Von besonderem wissenschaftlichem Wert sind zudem Funde von Bronzeobjekten, bei denen es sich wohl um Beschläge eines vierrädrigen Wagens handelt. Das Besondere ist dabei: Erste Untersuchungen legen nahe, dass sich auch Elemente aus Holz erhalten haben. Normalerweise sind von frühkeltischen Wagen hingegen nur die Metallteile gefunden worden, so das LAD.
Vergleiche mit dem Grab der „Fürstin vom Bettelbühl“
Doch wird die weitere Freilegung der Grabkammer vielleicht noch Kostbarkeiten aufdecken? Vermutlich nicht, sagen die Experten. Denn die Tatsache, dass bisher keine größeren Beigaben aus Gold gefunden wurden, spricht dafür, dass das Grab geplündert worden ist. Möglicherweise geschah dies schon in der Zeit der Kelten. Lediglich kleine Objekte sind dieser Beraubung wohl entgangen. Die wissenschaftliche Herausforderung für das Forschungsteam besteht deshalb nun darin, aus diesen Resten auf die ursprüngliche Ausstattung des Grabes zu schließen, schreibt das LAD.





