Reinhardt lehrt seit 1992 Allgemeine und Schweizer Geschichte der Neuzeit an der Universität Freiburg (Schweiz) und gilt als Experte der italienischen Renaissance. Er ist seit 2004 Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des deutschen historischen Instituts Rom und wurde 2012 in die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste aufgenommen. Seit diesem Jahr ist der 59-Jährige außerdem Juror im DAMALS-Buchwettbewerb.
Die Jury begründet die Preisverleihung an Reinhardt damit, dass er in seiner Machiavelli-Biographie anhand einer Vielzahl von Quellen die Wirkmächtigkeit des Florentiners darstellt und dabei ein umfassendes Bild des Diplomaten und politischen Denkers, des Schriftstellers und Dichters zeichnet. Dabei stelle er Niccolò Machiavelli in seiner ganzen Widersprüchlichkeit dar. Er gehe darauf ein, dass Machiavelli Provokateur und Tabubrecher und gleichzeitig Überlebenskünstler war, und mit Verhaftung, Folter und Flucht ins Exil politisches Scheitern kennenlernte.
Reinhardt beobachte die Veränderungen an der Schwelle vom 15. zum 16. Jahrhundert und nehme die Beobachtung dieser Zeit des radikalen Umbruchs, in der Machiavelli lebte, als Ausgangspunkt, um dem Leser die Denkprozesse des Florentiners verständlich zu machen, so die Jury. Der Autor nutze zahlreiche Beispiele, um den Wandel darzustellen, der etwa vom Übergang von einer individualistischen Lebensführung zu staatlichen und kirchenbezogenen Gemeinwesen mit sich brachte. So könnten auch Leser, die nicht Fachhistoriker sind, nachvollziehen, wie der kritische Republikaner Machiavelli zu seinem Menschenbild und seinen Vorstellungen über die Geschichte gelangte und warum er als erster Grundsätze einer Staatsräson formulierte. Da Reinhardt seine Leser in die Situation Machiavellis versetze und sie an dessen Überlegungen teilhaben lasse, stimme er sie nachdenklich und rege sie zu eigenen Reflexionen an.
In der Begründung der Jury heißt es ferner: „Politik zu betreiben jenseits von Recht und Moral, gegebenenfalls auch mit Lug und Trug: Darf man das? Die Frage provoziert bis heute heftige Kontroversen. Der Widerstreit zwischen ethischen Grundsätzen und dem, was als politisch notwendig angesehen wird, beschäftigt die Menschen unvermindert. Durch seine Darstellungsweise gelingt es Reinhardt, den Lesern des 21. Jahrhunderts Verständnis und Sinn für die Fremdartigkeit der Gesellschaft des frühen 16. Jahrhunderts zu vermitteln – der wohlfeile Vorwurf eines missverstandenen ‚Machiavellismus’ sollte sich künftig verbieten.“
Die Golo-Mann-Gesellschaft wurde 2010, ein Jahr nach dem 100. Geburtstag des Historikers, gegründet und hat derzeit 75 Mitglieder. Die historisch-literarische Gesellschaft mit ihrem Geschäftssitz im Lübecker Buddenbrookhaus möchte mit Tagungen, Vortragsveranstaltungen und Lesungen ein Forum zum Austausch bieten und setzt sich aus Menschen mit verschiedenen Hintergründen zusammen. Neben Historikern und Literaturwissenschaftlern gibt es auch Mitglieder, die nicht vom Fach sind, aber Interesse an der Familie Mann oder Golo Manns Geschichtsschreibung haben.





