Die Sammlung enthält die Korrespondenz und Unterlagen des englischen Landbesitzers William Philip Perrin, der in der Nähe von Kingston auf Jamaika eine Zuckerrohr-Plantage besaß. Als billige Arbeitskräfte für diese Ländereien orderte er Sklaven aus Afrika. Die Dokumente stammen aus der Zeit zwischen 1772 und 1797, in der der transatlantische Sklavenhandel auf seinem Höhepunkt war. Von ihm profitierten auch noch nach der amerikanischen Unabhängigkeit in Jahr 1776 viele britische Besitzer von Plantagen in Übersee.
Menschen als Ware
In einem Dokument aus dem Jahr 1797 findet sich beispielsweise eine Liste der Namen, des Alters und der Preise von 35 Männern und 19 Frauen, darunter auch Kindern von nur 14 Jahren. Einträge wie “Dick, 25, fähiger Feldarbeiter, 40 Pfund” oder “Castile, 45, Köchin und Waschfrau, 60 Pfund” geben einen schockierenden Eindruck darin, wie sehr diese Menschen als Ware betrachtet wurden. Als Gesamtwert dieser 54 Sklaven wird am Ende der Ausstellung eine Summe von 5.100 Pfund genannt – heute entspräche dies etwa 500.000 britischen Pfund.
“Obwohl sich das für moderne Augen erschütternd liest, waren dies für die Beteiligten ganz normale Geschäftstransaktionen”, erklärt Kathryn McKee von der Universität Cambridge, die die Dokumente für die Sammlung erwarb. “Es war ein alltäglicher Teil der Wirtschaft im 18. Jahrhundert. Wirtschafts-Magnaten machten erhebliche Profite von den Gütern, die durch Sklavenarbeit produziert wurden – und die Kunden profitierten von den billigen Waren.”
Ein lukratives Geschäft
Ein Brief aus dem Jahr 1796 berichtet, dass einer von Perrins Gutsverwaltern plant, “eine Arbeitsmannschaft von 60 körperlich tüchtigen Negern” zu erstehen, um diese auf dem Gut einzusetzen. In einem anderen Brief wird dargelegt, dass der Kauf billiger Sklaven zur Bestellung von Zuckerrohr dem Gut die Kosten für den Kauf von Vieh ersparen würde. Neben den Briefen enthält die Sammlung auch Frachtaufstellungen von Sklavenschiffen, Verkaufsverträge und Zollunterlagen.
“Diese Briefe enthüllen neben einem völligen Fehlen von Empathie für ihre menschliche Ware auch die schiere Menge an Geld, die hier umgeschlagen wurde”, sagt McKee. Angesichts der enormen Profite durch den Sklaveneinsatz sei es kein Wunder, dass die Antisklaverei-Bewegung lange brauchte, um sich durchzusetzen. “Die meisten dieser Kampagnen wurden von normalen Leuten initiiert, während die Pro-Sklaverei-Lobby signifikanten Reichtum und Einfluss besaß, und so auch das Parlament unter Druck setzen konnte”, so die Forscherin.
Es dauerte 20 Jahre, bis sich die Gegner der Sklaverei in Großbritannien endlich durchsetzen. Am 25. März 1807 beschloss das britische Parlament, den Sklavenhandel abzuschaffen. Von diesem Zeitpunkt an waren Kauf und Verkauf von Menschen als Sklaven in Großbritannien illegal. Neben den Dokumenten des William Perrin besitzt die Universität Cambridge auch eine umfangreiche Sammlung historischer Dokumente zur britischen Antisklaverei-Bewegung. Denn zwei ihrer führenden Vertreter, William Wilberforce und Thomas Clarkson, besuchten als Studenten das St. Johns College in Cambridge. Die gesamte Sammlung einschließlich der neu hinzugekommenen Dokumente ist für Forscher, aber auch interessierte Laien im College einsehbar.





