Der Krippenbau hat in Oberammergau eine lange Tradition. „Gefrorenes Theater“, so beschrieb man die Krippe als Bindeglied zwischen bildender Kunst und dem Spiel der Menschen auf der Bühne. In Oberammergau haben sich Theater- und Schnitzkunst parallel und einander befruchtend zu besonderer Blüte entwickelt.
Es wurde eine Vielzahl unterschiedlicher Figurentypen hergestellt. Bekleidete Krippenfiguren (20 bis 60 Zentimeter groß) konstruierte man häufig als hölzerne Gelenkgliederpuppen, bei denen alle Körperteile einzeln geschnitzt und durch Kugel- oder Scheibengelenke miteinander verbunden wurden. Die Krippenfiguren bekleidete man mit Gewändern aus Seide oder feinem Leinen.
In weitaus größerer Stückzahl aber wurden vor allem im 19. Jahrhundert unbewegliche, vollgeschnitzte und bunt gefasste Krippenfiguren (vier bis 80 Zentimeter groß) in unterschiedlichster Qualität hergestellt. Doch auch Papierkrippen und Hinterglasbilder gehören zum Spektrum der Oberammergauer Krippenkunst.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die historische Kirchenkrippe. Sie wurde für die 1742 fertiggestellte Oberammergauer Pfarrkirche St. Peter und Paul über einen Zeitraum von rund 100 Jahren von den Schnitzern des Dorfes geschaffen. Anders als damals üblich, war sie kein Auftragswerk, die Figuren wurden vielmehr gestiftet. Die ältesten Figuren stammen noch aus dem 18. Jahrhundert, die Mehrzahl aber wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gefertigt. Die letzte große Erweiterung fand um 1860 mit der Hochzeit von Kana statt. Damit war die Krippe auf etwa 200 Figuren angewachsen und bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine bekannte Sehenswürdigkeit. Auch König Ludwig II. kam 1872 extra nach Oberammergau, um die Krippe zu bewundern.
Zudem ist auch die sogenannte Lill-Krippe zu sehen. Sie ist ein Beispiel für die einfachen typischen Oberammergauer Figuren. Die Szenerien: Geburt Christi, Beschneidung, Flucht nach Ägypten, Zimmermannswerkstatt, Jesus im Tempel usw. stammen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und wurden von dem Münchner Kunsthistoriker und Denkmalpfleger Georg Lill (1883-1951) seit um 1910 gesammelt.
Die meisten Schnitzer in Oberammergau lernten bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem in den Werkstätten am Ort, seit 1800 konnten sie unentgeltlich auch Zeichenunterricht bekommen. Mit der Gründung der Schnitzschule 1877 gab es neben der Lehre in einer Werkstatt eine schulische Alternative. Viele der Absolventen gingen seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach der Lehre noch an die Kunstgewerbeschule in München oder auf die Akademien der Bildenden Künste in München oder Nürnberg. Dadurch wurde die Schnitzerei und Holzbildhauerei im Ort sozusagen akademisiert und Einflüsse des zeitgenössischen Kunstgeschmacks schlugen sich bis in die Gegenwart auch in der Krippenkunst nieder.





