Das gelingt ihm sehr gut. Das Buch hat vier große Kapitel. Sie sind überschrieben mit: Republik, Diktatur, Verschwörung, Attentat. Darin werden minutiös die Vorgeschichte des Mordes sowie die Tat selbst entwickelt. Vor allem konzentriert sich der Autor auf die beteiligten Einzelpersonen, die alle vier Kapitel dominieren, angefangen von Lucius Junius Brutus, dem Begründer der Republik 509 v. Chr. Natürlich stehen die drei Haupttäter Cassius, Brutus und Decimus Brutus im Zentrum, aber nicht nur Täter, sondern überhaupt Personen, die irgendwie involviert waren, und auch solche, die gar nicht involviert waren – zum Beispiel Calpurnia, die Ehefrau Caesars, und Kleopatra. Richtig Fahrt nimmt das Buch mit den feinen, einfühlsamen Psychogrammen im dritten Abschnitt zur Verschwörung auf.
Nicht immer glücklich, weil unverständlich gewählt, sind die Überschriften der kleineren Abschnitte; manchmal sucht man nach dem Zusammenhang mit dem Text. Viele ausführliche Quellenzitate und Münzabbildungen machen die Lektüre lebendig. Forschungsdiskussionen gibt es naturgemäß nicht, aber der Autor versetzt die Leser in Gedankenwelten und Handlungsoptionen der beteiligten Personen – spannend, lebhaft und manchmal sprachlich ein wenig übers Ziel hinausschießend (wie zum Beispiel auf Seite 252: „Und er selbst, Gaius Cassius. Der starke Arm der Verschwörung. Ihre Faust. Ihr Herz. Und ihr Kopf. Sechzig Männer. Ein Plan“).
Um den Kriminalfall immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, wird mehrfach ein „Aktenvermerk des Historikers“ eingeschoben. Das Buch endet mit einem „Postscriptum des Historikers“, einem Ausblick auf das Schicksal der Verschwörer bei Philippi 42 v. Chr. und dann auf den „neuen Caesar“, den Kaiser Augustus, der es besser machte als sein Vater.
Der Autor ist ein profunder Kenner der römisch-republikanischen Geschichte, seine Urteile zur politischen und gesellschaftlichen Ordnung, zu den zentralen Persönlichkeiten wie Caesar und Cicero sind, auch wenn der Rezensent manches anders sieht, immer wohlbegründet, so dass das Buch in jedem Fall empfohlen werden kann. Ein echtes, spannend geschriebenes Lesebuch, das auch sehr gut lektoriert wurde – mehr und mehr eine Seltenheit; C. H. Beck und seinem Lektorat sei es gedankt.
Rezension: Prof. Dr. Ernst Baltrusch
Michael Sommer
Mordsache Caesar
Die letzten Tage des Diktators
Verlag C. H. Beck, München 2024, 316 Seiten, € 26,–





