Adolf Hitler war der wichtigste Propagandaredner seiner Partei, deren Versammlungen von einer Gruppe schlagkräftiger Mitglieder geschützt wurden, die sich bald unter dem Namen SA (Sturmabteilung) zusammenfanden. Doch in den immer wieder auftretenden Machtkämpfen im rechtsnationalistischen Lager stand diese Formation zunehmend den übrigen paramilitärischen Gruppierungen näher als der eigenen Partei. Vermutlich in dieser Situation entschied Hitler im März 1923, eine kleine Leibwache zu gründen. Die Angehörigen dieser „Stabswache“ trugen zwar noch graue Windjacken, doch zierte ihre Mützen bereits das Totenkopf-Symbol.
Diese erste Gruppe bestand nur kurz. Einer ihrer führenden Angehörigen, der Organisator der SA und ehemalige Angehörige des Freikorps „Marinebrigade Erhardt“ Hans-Ulrich Klintzsch, schied bald aus. Daraufhin errichtete Hitler den „Stoßtrupp Hitler“. Dieser war deutlich umfangreicher und soll zwischen 80 und 120 Mann stark gewesen sein. Seine Mitglieder trugen weiter das Totenkopf-Symbol an einer feldgrauen Militärmütze. Sie waren unmittelbar Hitler verpflichtet, fühlten sich aber meist zugleich als Angehörige der SA. Viele hatten im Ersten Weltkrieg als Soldaten gekämpft und zumindest zeitweilig einem Freikorps angehört. Die Führer kamen aus dem engsten Umfeld Hitlers. Sie bildeten seine politische Familie. Emil Maurice, der die SA mit gegründet hatte, und Julius Schreck dienten als Chauffeure, der arbeitslose Drogist Julius Schaub folgte Hitler als Diener und Faktotum. Joseph Berchtold, ein Reserveleutnant, leitete den Stoßtrupp. Alle vier zählten anfangs auch zu den führenden Mitgliedern der 1925 gegründeten SS.
Der Stoßtrupp war nicht nur Leibwache, sondern auch Schlägertruppe. Am sogenannten Hitler-Putsch, dem dilettantischen Versuch Hitlers am 9. November 1923, die Reichsregierung zu entmachten, beteiligte sich seine Leibwache in hervorgehobener Position. Nach der Niederschlagung des Aufstands mussten sich daher auch 40 Angehörige des Stoßtrupps vor Gericht verantworten. Alle kamen mit kurzen Freiheitsstrafen davon. Nach seiner Entlassung aus der Haft gründete Hitler im Februar 1925 erneut die zuvor verbotene Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP). Da die SA weiterhin auf ihre Selbständigkeit pochte, installierte er wieder eine kleine, persönliche Schutztruppe. Sie wurde offiziell am 9. November 1925 als Schutzstaffel errichtet. Die Leitungsfunktionen übernahmen ehemalige Stoßtrupp-Mitglieder: Schreck wurde erster Führer der SS. Maurice, der später zugeben musste, jüdische Vorfahren zu haben, fungierte als sein Stellvertreter. Die SS sollte die Parteiführung und Versammlungsredner schützen – eine euphemistische Umschreibung für das gewalttätige Eingreifen in den Saalschlachten, in die politische Versammlungen nicht selten ausarteten.





