Die Menschen der Steinzeit bevorzugten – nicht anders als wir – für ihre Lager und Feuerstellen geschützte, aber gut zugängliche Orte mit Wasser, Nahrung und Feuermaterial in bequemer Reichweite. Lange Zeit ging man daher davon aus, dass die höheren Lagen der Alpen bestenfalls sporadisch besucht wurden. In den letzten Jahren jedoch haben Archäologen auch in Lagen oberhalb von 2000 Metern Höhe Spuren der frühen Besiedlung entdeckt.
Felsunterstand in gut 2000 Metern Höhe
Eine dieser Entdeckungen ist der Felsunterstand Abri Faravel im Süden der französischen Alpen. Er liegt auf 2133 Metern Höhe am Rand eines Plateaus, auf dem Archäologen Siedlungsspuren von der Mittelsteinzeit bis in die römische Zeit hinein ausgegraben haben. Am östlichen Rand des Hochplateaus bildet ein überhängender Sandsteinblock ein rund acht Quadratmeter großes Dach.
Unter diesem Dach und in der Umgebung dieses Felsunterstands stießen Forscher um Kevin Walsh von der University of York auf zahlreiche Steinwerkzeuge aus dem Mesolithikum, die sie auf ein Alter von rund 10.000 Jahren datierten. “Diese Orte gehören damit zu den am höchstgelegenen mittelsteinzeitlichen Lager der Alpen”, sagt Walsh. Doch der Blick an die Decke des Unterstands enthüllte noch Überraschenderes: Spuren von erstaunlich gut erhaltenen Felsmalereien.
Überraschung an der Sandsteindecke
“Nach Jahren der Forschung in diesem Hochtal war der Tag, an dem wir diese Malereien entdeckten unbestreitbar der Höhepunkt des Forschungsprojekts”, sagt Walsh. “Wir hätten zwar schon gedacht, dass wir vielleicht Felsritzungen finden, wie im Vallée des Merveilles südöstlich von hier, aber echte Malereien in dieser exponierten Gegend zu finden, haben wir nicht erwartet.” Wie die Forscher erklären, handelt sich bei den Malereien im Arbri Faravel um die am höchsten gelegenen prähistorischen Felsmalereien, die man bisher kennt.
Um die Felsmalereien besser untersuchen zu können und diese Darstellungen zu dokumentieren, erstellten die Forscher mit Hilfe modernster Lasertechnik einen kompletten 3D-Scan sowohl der Decke des Unterstands als auch der nahen Umgebung des Arbri Faravel. Zusätzlich nahmen sie die Malereien mit hochauflösenden optischen Kameras auf. “Diese Scans waren logistisch nicht ganz einfach, denn unsere einzige Stromquelle waren Autobatterien, die wir zusammen mit dem Rest der benötigten Geräte auf den Berg tragen mussten”, erzählt Walsh.
Hirsch, Hund und vielleicht ein Mensch
Doch die Mühe lohnte sich. Die fertigen Aufnahmen ermöglichten des den Archäologen, die Felsmalereien sehr viel genauer als vor Ort zu studieren. Wie sich zeigte, sind sie mit rötlicher Farbe ausgeführt und bestehen aus mehreren Gruppen von breiten, parallelen Linien, sowie zwei stilisierten Tierfiguren. “Wir interpretieren die Tierfiguren als die Darstellung eines Hirsches, der einem Hund gegenübersteht”, erklären die Forscher.





