Venedig war seit dem späten 17. Jahrhundert eine Hochburg des armenischen Druckwesens. Aus der Vielzahl der hier entstandenen Werke zeigt das Gutenberg-Museum zwei Kostbarkeiten: das „Urbatagirk“ („Freitagsbuch“), den ersten armenischen Druck überhaupt, und den wenig später entstandenen „Parzaytowmar“ („Vereinfachter Kalender der Armenier“), das zweite jemals gedruckte armenische Buch.
Zwei weitere wichtige Zentren des frühen armenischen Drucks sind auch Konstantinopel und Amsterdam. Aus Konstantinopel präsentiert das Gutenberg-Museum unter anderem eine liturgische Sammelschrift (Synaxarion) aus dem Jahr 1730, dessen Frontispiz eine wunderschöne Mondsichelmadonna zeigt. Dieses Werk gilt als eines der schönsten armenischen Bücher. Einen Höhepunkt der Ausstellung stellt außerdem der erste armenische Bibeldruck dar, der 1666 in Amsterdam entstand und als Leihgabe der Nationalbibliothek der Republik Armenien erstmals in Deutschland gezeigt wird.
Zudem führt die Schau die Kontinuität zwischen der kunstvollen armenischen Handschriftentradition und dem Buchdruck vor Augen. Die für ihre Schönheit berühmten armenischen Handschriften des 13. bis 17. Jahrhunderts illustrieren einen Stil, der von der gegenseitigen Durchdringung von christlichen und orientalischen Einflüssen lebt.
Auch die deutsche wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Armenien seit den ersten überlieferten Schilderungen des 15. Jahrhunderts wird thematisiert. Im Reisebericht des Mainzer Domherrn Bernhard von Breydenbach „Peregrinatio in terram sanctam“ von 1486 findet sich beispielweise das erste als Holzschnitt gedruckte armenische Alphabet.





