Seine politischen Lieder kosteten ihn 1842 an der Universität Breslau seine Professur für Deutsche Sprache und Literatur, die er gegen den Widerstand seiner Kollegen 1830 mühsam errungen hatte. Fortan musste er sein Leben und später das seiner Familie als Schriftsteller finanzieren. Erst 1860, als er Bibliothekar in Corvey wurde, konnte er wieder verstärkt wissenschaftlich arbeiten, doch Anschluss an die Germanistik fand er nicht mehr.
Über Hoffmann von Fallersleben sind zahlreiche Studien zu allen Facetten seines Lebens erschienen. Er selber hat das Bild, das sich die Nachwelt von seinem Leben macht, mit den sechs Bänden seiner Erinnerungen nachdrücklich geprägt. Auch Bernt Ture von zur Mühlens Biographie folgt ihnen, korrigiert sie aber dort, wo Hoffmanns selbstkonstruiertes Lebensbild zu sehr von seinem wirklichen Lebensweg abweicht. Der Schriftsteller darbte nicht, als er aus dem Staatsdienst entlassen wurde, er erhielt Spenden politischer Sympathisanten, behauptete sich erfolgreich auf dem Literaturmarkt und beschloss sein Leben als wohlsituierter Bürger. Der preußische Staat hatte ihn ausgestoßen, doch die staatliche Einigung unter preußischer Militärführung versöhnte ihn. Seine letzten Lieder priesen den preußischen Monarchen als Vollender der deutschen Einheit, wenn auch nicht in den Grenzen, die das „Lied der Deutschen“ besingt.
Der Autor analysiert nicht, er will erzählen – und das gelingt ihm. Wer eine Analyse der literarischen und wissenschaftlichen Werke oder der politischen Entwicklung Hoffmanns von Fallersleben sucht, der sollte zu anderen Büchern greifen.
Rezension: Prof. Dr. Dieter Langewiesche





