Zu einem handfesten Skandal geriet ein feierlicher Hoftag im burgundischen Besançon, den Kaiser Friedrich I. Barbarossa im Oktober 1157 mit den Fürsten seines Reiches feierte. Für Aufruhr sorgte ein Brief Papst Hadrians IV., den die päpstlichen Legaten Bernhard von S. Clemente und Roland Bandinelli überbracht hatten. Das Kaisertum, so übersetzte Kanzler Rainald den lateinischen Wortlaut des Schreibens, sei ein beneficium, ein Lehen des Papstes. Hoch schlugen die Wellen der Empörung bei Barbarossa und den nicht minder aufgebrachten Fürsten über diese skandalöse Anmaßung Hadrians IV.: Nicht von Gott, sondern aus der Hand des Papstes hätte der Kaiser demnach seine Würde empfangen! Doch die Legaten gossen noch Öl ins Feuer: “Von wem hat er denn das Kaisertum, wenn er es nicht vom Herrn Papst hat?” rief einer von ihnen, und provozierte Pfalzgraf Otto von Wittelsbach damit so sehr, daß dieser dem Gesandten mit dem Schwert drohte. Die tumultartigen Ereignisse in Besançon waren ein offenes Kräftemessen zwischen geistiger und weltlicher Gewalt. Nur zwei Jahre später entlud sich der schwelende Streit zur kriegerischen Auseinandersetzung: 1159 wurde ausgerechnet Roland Bandinelli in einer folgenschweren Doppelwahl zum Papst Alexander III. gewählt. Fortan war er erbitterter Gegner Friedrich Barbarossas. 18 Jahre lang kämpfte der Kaiser vergeblich gegen die Anerkennung Alexanders. Erst 1177 mußte er sich dem Papst in feierlicher Inszenierung zu Füßen werfen und die Unterordnung des Kaisertums unter das Papsttum symbolisch besiegeln.





