Dank einer groß angelegten Spendenaktion konnte die Staatsgalerie Stuttgart die „Graue Passion“ 2003 erwerben. In einer gemeinsamen Anstrengung der baden-württembergischen Landesregierung, der Kulturstiftung der Länder, des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Freunde der Staatsgalerie Stuttgart, der Landesbank Baden-Württemberg sowie der Kulturfonds des Sparkassen- und Giroverbandes, der Daimler AG, der Robert Bosch GmbH sowie weiterer Förderer wurde der Ankauf für 13,2 Millionen Euro realisiert.
Die einzelnen Tafeln der „Grauen Passion“ befanden sich aufgrund von Übermalungen und fehlenden Malschichten in höchst unterschiedlichem Zustand. Ziel einer Restaurierung war es, sie in ihrer Erscheinung wieder einheitlich präsentieren zu können. Die Untersuchung der bisher unerforschten Maltechnik Hans Holbeins des Älteren sowie die Restaurierung der zwölf Gemälde stellten das bisher umfangreichste Restaurierungsprojekt der Staatsgalerie Stuttgart dar. Ein vom Steinbeis-Transfer-Zentrum an der Hochschule der Medien (Stuttgart) erstellter Film erfasst die Restaurierung in einer Langzeitdokumentation und erlaubt einen exklusiven Einblick in die Restaurierungswerkstatt der Staatsgalerie Stuttgart: Die Kamera begleitet das Team der Restauratoren bei den verschiedenen Arbeitsschritten von der mikroskopischen Untersuchung der Malschichten bis hin zur sorgfältigen Bestandsaufnahme der Schäden. Modernste Technik (wie beispielsweise die hochauflösende digitale Infrarot-Kamera “OSIRIS”) und umfangreiche Untersuchungen zu Material und Maltechnik ermöglichen erstmalig grundlegende technologische Forschungserkenntnisse zu dem Werk Hans Holbeins des Älteren. Der Dokumentarfilm wird als Teil der Ausstellung präsentiert, eine kürzere Fassung des Films von rund fünf Minuten Länge ist im Internet abrufbar unter: http://www.youtube.com/user/DieStaatsgalerie.
Die Besucher erwartet in der Ausstellung eine Begegnung mit einer der künstlerisch hervorragendsten Passionsfolgen der altdeutschen Kunst. Ursprünglich bildeten die zwölf Tafeln mit Darstellungen der Leidensgeschichte Christi die Außen- und Innenseiten zweier doppelseitig bemalter Flügel eines Passionsaltars. In geschlossenem Zustand waren die grauen Szenen zu sehen, die in paarweiser Anordnung von oben nach unten zu lesen sind und folgende Passionsszenen darstellen: Christus am Ölberg, die Gefangennahme Christi, Christus vor Hannas, die Geißelung Christi, die Dornenkrönung Christi und Ecce Homo. Geöffnet präsentierten sich die ockerfarbenen Darstellungen in der Lesefolge von oben nach unten. Auf dem linken Flügel sind zu sehen: Die Handwaschung des Pilatus, die Kreuztragung Christi und Christus in der Rast. Der rechte Flügel zeigt die auf die Kreuzigung folgenden Ereignisse: Die Kreuzabnahme, Grablegung und Auferstehung Christi. In geöffnetem Zustand flankierten die Passionsszenen einen heute verlorenen Schrein, in dem vermutlich eine geschnitzte Gruppe mit der Kreuzigung Christi zu sehen war. Der ursprüngliche Aufstellungsort des Altars ist bis heute ungeklärt.





