“Carl Laemmle machte Hollywood groß”, so Thomas Schnabel, Leiter des Hauses der Geschichte. “Er war der Gründer des Filmgiganten Universal, der Schöpfer des Starsystems, ein wegweisender Produzent und ein früher Global Player. Dabei blieb er immer ein überzeugter Schwabe und seiner Heimat eng verbunden – bis der Geehrte in den 1930er Jahren in Deutschland geächtet wurde.” Zu den einzigartigen Originalobjekten aus den USA und anderen Teilen der Welt, die in der Schau zu sehen sind, gehören ein echter Oscar, internationale Filmplakate und Requisiten wie die Fledermaus aus “Dracula”.
“Laemmles Leben war filmreif, er ist eine Legende der Kinogeschichte. Also erzählen wir seine Geschichte in Filmsets”, so Paula Lutum-Lenger. “Fünf Studios inszenieren fünf Geburtstage von Carl Laemmle, die Wegmarken seines Lebens darstellen”, erklärte sie das Konzept der Schau. Seine letzte, “am meisten beeindruckende Rolle” habe er übernommen, als er hunderte Juden mit seinen Bürgschaften vor dem Holocaust rettete.
Das erste Kapitel “Der Deutsch-Amerikaner” zeigt das spannungsreiche Leben des Wanderers zwischen den beiden Welten. Am Vorabend des Eintritts der USA in den Ersten Weltkrieg feierte Laemmle 1917 seinen 50. Geburtstag noch deutsch-amerikanisch. Danach musste er sich für eine Seite entscheiden. Er drehte eine Reihe antideutscher Filme.
Nach dem Ende des Krieges reiste er wieder regelmäßig in die alte Heimat und wurde ein Wohltäter seiner Geburtsstadt Laupheim. Der Regie-Oscar und andere erstmals ausgestellte Requisiten wie eine Gasmaske oder Filmfleisch rücken ein Meisterwerk in den Mittelpunkt: den 1930 mit zwei Academy Awards ausgezeichneten Antikriegsfilm “All Quiet on the Western Front”. Dieser markierte zwar einerseits den Höhepunkt von Carl Laemmles Karriere, andererseits eine Zäsur. In Deutschland wurde “Im Westen nichts Neues” vor allem in rechtsnationalen Kreisen gehasst, Laemmle als “Filmjude” beschimpft. Er reiste fortan nicht mehr in seine Heimat.
Aus einer Hühnerfarm wird ein Filmstudio
Das Studio “Der Gründer” verdeutlicht, warum Carl Laemmle der Vater Hollywoods ist. Er kaufte 1914 das Gelände einer Hühnerfarm in der Nähe von Los Angeles und baute darauf ein Produktionsstudio, das alle damaligen Maßstäbe sprengte: Universal City – eine Filmstadt mit Zoo, Krankenhaus, eigener Polizei und Bürgermeisterin. Eine Filmkamera, die Uniform der Polizeichefin, Werbematerial und Fotos zeugen von den frühen Tagen der Studiostadt und davon, wie das Marketinggenie Carl Laemmle die ersten Filmstars schuf. Und die gruppierten sich um ihn an seinem 60. Geburtstag.
“Der Global Player” widmet sich der weltweiten Filmvermarktung: Laemmle verstand den Namen seines Unternehmens “Universal” durchaus wörtlich. Eine große Landkarte führt die rund 120 Niederlassungen vor Augen, die bis zu Carl Laemmles 66. Geburtstag entstanden waren – von Oslo bis Buenos Aires und von Vancouver bis Tokio. Japanische, spanische und deutsche Filmplakate verweisen auf die landesspezifische Bewerbung. Setfotos von “S.O.S. Eisberg” lassen erahnen, wie spektakulär einige Filmproduktionen dieser Zeit waren.





